370 Mittlere Kirchmgesch. 4. Per. I. 1216—1517.
K. 264. Gelehrte Vorläufer der Reformation in Deutschland.
Im weitverbreiteten Gegensatze der Wissenschaft und Frömmigkeit des15. Jhh. gegen die Kirche haben einzelne Gelehrte fast alles berührt, wasim Kampfe des nächsten Jhh. die Welt bewegte. Ihr gemeinsamer Ge-danke war die Läuterung der Kirche an der H. Schrift und die Auffassungdes Christenthums als seligmachender Glaube. Ioh. sPuppers v. Goch,Rector eines Nonnenklosters in Mecheln f-f 1475s, suchte das Christen-thum in der Mitte von Irrthümern, die es zu allen Zeiten gefährdet hät-ten : das mosaische Gesetz in mancherlei Gestalt, ein Glaube ohne Werke,eine Befriedigung in denWerken ohne die Gnade, endlich Gelübde als Be-dingung evangelischerVollkommenheit.^ Joh. Wessel sGansforts ausGroningen, in Köln, Löwen, Paris, Heidelberg, zuletzt daheim in derfreien, vieles anregenden Thätigkeit eines Rathgebers und Lehrers sl,uxmuuäi, dlsA. ooirtraäiotiouum, ch 1489s, hat mit scholastisch humani-stischer Bildung auf mystischen Grundlagen das Christenthum als etwasrein Innerliches genommen, das zwischen dem Herzen und Gott allein ab-gemacht werde. Daher seine Äußerungen über kirchliche Institute mit Um-gehung des Dogma meist beschränkend find. „Die H. Schrift, Gottes ab-brevirtes Wort, ist der lebendige Quell des Glaubens, dieKircheruht aufVertrag, es gibt ein allgemeines Priesterthum der vernünftigen Natur,nur dem rechtgläubigen Papste ist zu glauben und nicht jedem Concilium,Gott allein kann Sünden vergeben, Excommunication hat bloß äußerlicheWirkung, Ablaß bezieht sich auf kirchliche Strafen, die Buße wird inner-lich vollendet durch unser Leid über die Sünde, durch Christi Gerechtigkeitund Gottes freie Gnade, die wahre Genugthuung ist das Leben in Gott,das Fegseuer die läuternde Kraft der Sehnsucht nach Gott ."''s Sein FreundJoh. sRuchraths v. Wesel. Professor in Erfurt, Prediger iu Worms,kämpfte auf streng augustinischem Standpunkte gegen das kirchliche Her-kommen, denn stehn die Auserwählten von Ewigkeit im Buche des Lebens:so kann ihren Namen kein Bannfluch löschen, kein Ablaß Hineinsetzen,keine Beobachtung bloß menschlicher Satzungen, mit denen die Kirche be-schwert ist, sie fördern. So lange dergleichen Behauptungen sich nicht ausVolk wandten, konnten sie unter günstigen Verhältnissen als Schulmei-nungen geduldet werden. Aber Joh. v. Wesel, der den Papst verachteteund Christum lobte, ist von den Dominicanern in Mainz angeklagt, altund krank zum Widerrufe gezwungen und in ein Kloster gesperrt wordens1479s, bis der Tod ihn frei machte s148 ls.°s
. a) vs Itbsrtats ekr. sä. 6, täraxirons, Xirtn. 52t. 4. vs guatnor erroriv. Oral.b. Verlad, Nona. ursäüasr-i. Vol. I. Vase. 4. Vrg.WalchsVorr. x. XIII. b) Sammt,sr. theol. Abhandll. karrazo Vsssoli 521. Las. 522. 4. u. o. Vorr. v. Luther in s. W.v. Walch. B. XIV. S. 219. Opx. 6roaing. 614. 4. — 8, Kootoe, äs äs. Vess.Lnb. 719.4. <1, UrmiliNA, äs Vssseii danstoitii crrrn vita, turn meritis in xrsre-xsr. sseror. sMenäntlans in LsIZio. L. I. 1raj. LäRd. 831. IlllitMim, I. W. einVorgänger Luth. Hmb. 834. 2.A. in d. Reformatoren vor d. Ref. B. II. Dgg. 9. Fried-rich, Joh. W. Rgnsb. 862. ch Seine Schrift aäv. InäniZentias b. Valod, I. e.