12
Dieser Bericht lehrt uns, ein wie kurzer Zeitraum zum voll-ständigen Euine eines Landes ausreicht. Selbst in den Vereinig ten Staaten von Nord-Amerika , wo mail bezüglichdes Waldreichthums auch von »unerschöpflichen Hilfsquellen« ge-faselt hat, zeigen sich schon die Folgen der planlos unternommenenAbholzungen, und zwar so verderblich, dass eine eigene EnquötezurBerathung über die besten Gegenmittel eingesetzt wurde. DieFolgen der in Nord-Amerika im grossen Styl unternommenen Ent-waldung treten so rasch ein, dass schon eine einzige Generationdas Versiegen der Quellen und die Wasser-Abnahme in den Flüssenerlebt. Die erwähnte nordamerikanische Enquete hat auch nachgewissenhafter Untersuchung der Frage erklärt, »dass, wennder bisherigen Wald-Devastation nicht Einhalt geboten wird, dieZeit kommen werde, wo die meisten Flüsse austrocknen, und dieStädte wegen Mangel an Trinkwasser unbewohnber sein werden«.Den meisten Herren dürfte es neu sein, dass bereits in Nord- Amerika über Wald-Devastation verhandelt wird. Allerdings gibtes dort im fernen Westen noch weit ausgedehnte Urwälder, abernicht mehr in dem dichtbevölkerten Osten. Die Thatsache selbstist nicht mehr wegzuleugnen; sie ist, wie auch das Urtheil der nord-amerikanischen Enquete, aus amerikanischer Quelle geschöpft.*)
Werfen wir, hochgeehrte Versammlung, nun einen Blick aufEuropa , so finden sich auch da nur zu reichlich die unwider-
' ;4 j Die ungeheueren Nadelwälder (Pineriss), welche einst Michigan ,Wisconsin und Minnesota bedeckten, werden, ehe noch ein halbes Jahr-hundert verstrichen sein wird, vertilgt sein. Diese Staaten versorgen fastdie ganze Union mit Fichten- und Tannenholz. Oestlich vom Felsen-Gebirge (Rocky Mountains ) existiren nur noch geringfügige Pineries. Axtund Feuerbrand vollbringen seit Jahrzehnten in den Nadelholzregionen derUnion das Zerstörungs-Werk. Ein Waldbrand an der Küste des Huronen-Sees legte über 10.U00 Acres des werthvollsten Waldbestandes, mehrereOrtschaften und viele Gehöfte in Asche. Der Gesammtschade betrug vieleMillionen Dollars. Allerdings reiht sich eine blühende Farm an die andere,doch sollte man sich wegen des Ackerbaues mehr an die weit ausgedehntenWeidegriinde halten und das Ausroden des Waldes beschränken.
Das Saginawthal galt noch vor einem Menschenalter für den reichstenFichtenbestand Michigan’s , aber hunderte von Sagemühlen arbeiteten un-unterbrochen und versendeten jährlich Uber 600 Millionen Cubikfuss Schnitt-holz. Heute muss für die wenigen noch bestehenden Sagemühlen das Koh-Material über 150 Meilen weit herbeigeschafft werden. Die Waldungen imThale des Alpenaflusses werden nach höchstens 15 bis 20 Jahren, jene vonMinnesota und Wiskonsin in 25 bis 40 Jahren erschöpft sein.