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leglichen Beweise für die schrecklichen Folgen der Entwaldung mitden sie begleitenden zerstörenden Hochwässern. Das meerumflutheteSicilien wurde von den Römern »die Kornkammer Italiens «genannt. Noch im Mittelalter gehörte es zu den dichtestbevölkertenund bestangebauten Ländern. Heute ist Sicilien grösstentheils un-fruchtbar ; seine spärliche Bewölkerung leidet an dem Nothwen-digstenMangel, und ergibt sich theilweise dem freien und noch unbe-steuerten Banditengewerbe. Unter- und Mittel-Italien warenzu Zeiten der Römer gleichfalls wohl angebaut und dichter bevöl-kert, hatten aber noch grosse Waldbestände auf dem Apenninen-Gebirge. Die Umgebung Roms, die heute so berüchtigte Campagna,war ein mit Feldern, Gärten und Villen bedeckter reizender Land-strich ; es gab noch keine pontinischen Sümpfe, weshalb auch diealten Römer nichts von der jetzt jährlich wiederkehrenden Malaria zuleiden hatten, vor der die Reichen die Flucht ergreifen können,und die Armen sich ruhig decimiren lassen müssen. Die herrlichenTempel von Pästum standen auch nicht wie heute mitten inSümpfen, sondern waren Zierden einer römischen Handelsstadt.Damals herrschten Wohlstand und Ueppigkeit in dieser Gegend;man verstand es, den Reichthum zu geniessen, den der Handelbot. Unter sorgsamer Pflege gedieh der Landbau; die Veilchenund Rosen von Pästum waren berühmt. Durch feindliche Invasionund Vernachlässigung der Vegetation versumpfte das Land mehrund mehr, das jetzt blos von wenigen, durch die Fieberluftentkräfteten Hirten bevölkert ist, welche die Madonna um einengelegentlichen glücklichen Raub bitten. Einst ein reizendes Ge-filde, von dem heute der Volksmund sagt: » Quanclo canta lacicala a Pesto, c’e lapeste!«-
Die Römer kannten allerdings noch keine täglichen Tem-peratur-Messungen wie wir, denn das Thermometer war noch nichterfanden; aber aus der historisch beglaubigten Thatsache, dass dasApenninen-Gebirge, die Inseln Sicilien, Sardinien und Corsica, so-wie die Alpen noch dicht bewaldet waren, desgleichen aus mancherleiuns erhaltenen Beschreibungen geht unzweifelhaft hervor, dassItalien zu Zeiten der Römer während des Sommers keine solcheHitze, keine solche bleierne Luft wie jetzt hatte. Der italienischeSchriftsteller T o r e 11 i führt aus der Gegenwart an, dass in FolgeAbnahme der Wälder die Ueberschwemmungen in den Fluss-gebieten jetzt immer verderblicher werden, und die Quellen mehr