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Ueber Entwaldung und Hochwässer in ihrer Rückwirkung auf die Eisenbahnen : Vortrag gehalten im Club österr. Eisenbahn-Beamten am 1. Februar 1881 / von Karl Engelhard
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und mehr versiegen. Die Dorfbewohner solcher Gegenden müssendas Trinkwasser oft viele Kilometer weit herholen und ebensoweitdas Yieh zur Tränke treiben. Viele Wohnsitze und industrielleEtablissements des jetzigen Italiens mussten wegen vollständigenWassermangels gänzlich aufgegeben werden. Die Verarmung derLandbevölkerung hat aber deren complete Demoralisation zurFolge; wer nicht mehr Bauer sein kann, wird Bandit.

Die iberische Halbinsel, das heutige Spanien undPortugal , erfreute sich gleichfalls dereinst einer zahlreichen,wohlhabenden Bevölkerung, eines paradiesischen Klimas undäusserst fruchtbaren Bodens. Den Gipfel ihrer Blüthe erreichtendiese Länder unter der mehr als neunhundertjährigen Herrschaftder Mauren , und selten wohl hatte der fremde Eroberer einemLande mehr genützt, als dieser aus Afrika herübergekommeneVolksstamm. Nicht durch das Christenthum als solches, 'wohlaber durch entartete Priester, durch eine bigotte und herrsch-süchtige Dynastie wurde Spanien zur Staatsruine, was es zumTheile noch heute ist. Die Ausbreitung der spanischen Macht inden neuentdeckten Ländern, die geplante Unterjochung derNiederlande und Englands hatten eine grosse und dauernde Ver-mehrung der spanischen Kriegs- und Handelsflotten zur Folge, unddies führte wegen des ausschliesslichen Baues von Holzschiffen nachund nach zu einer solchen Entwaldung des Landes, dass hiefürnur unser Dalmatien ein Seitenstück liefert. Spaniens ausgedorrterBoden bringt keine reichen Ernten mehr hervor, seine Flüsserichten durch Hochwässer und Gerolle grosse Verheerung an undsind im Sommer ausgetrocknet. Letzterer Umstand gab zur Ent-stehung eines spanischen Sprichwortes Veranlassung; es lautet:»Freunde in der Noth sind wie der Guadalquivir im Sommer«.Und die Madrider sagen von ihrem Klima: »Drei Monate Winter,neun Monate Hölle«. Von den zeitweisen Ueberschwemmungen inSpanien haben wir erst im vergangenen Herbst die Stadt Murcia und deren Umgebung betroffen gesehen. In der dritten Jänner-woche d. J. sind der Duero , der Ebro und andere Flüsseausgetreten, wodurch auch der Eisenbahn -Verkehr vielfach ge-stört wurde.

Auch Frankreich kann von dem Segen guter Waldwirt-schaft wie von dem Fluche der Entwaldung erzählen. Der unver-gessliche Staatsminister Colbert , ehemals Kaufmanns-Commis,