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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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bei Feldkirch zu erobern, und jetzt durch den Erzherzog in derFlanke bedroht, zog er seine vorgeschobenen Trappen aus demTirol zurück und wich selbst nach Graubünden. In Italien aberwurde etwas später (Anfang April) Scherer bei Magnano von Kray,obgleich dieser nicht gerade sehr geschickt operirte, so entschiedenzurüokgeworfen, dass er nicht blos über den Mincio zurückwich,sondern nicht einmal diese Yertheidigungslinie behaupten zu könnenglaubte. Auch er verlangte seine Entlassung und wurde durchMoreau ersetzt.

Aber auch die Oesterreicher blieben unthätig, bis am 14. Aprilder neue Oberbefehlshaber Suworoff in Verona erschien, etwagleichzeitig mit den russischen Truppen. Suworoff war im Jahre1729 geboren, stand also damals im 70. Lebensjahre. Als Sohneines Senators hätte er gleich andern vornehmen jungen Leutenbei seiner Geburt in die Listen eines Garderegiments eingetragenwerden können und dann den Dienst mit lti Jahren etwa alsMajor begonnen. Aber er war zu einer juristischen Laufbahn be-stimmt, zeigte jedoch schon als Knabe eine so lebhafte Neigungfür das Militärwesen, dass sein Vater ihn widerwillig gewähren liess.Ohne irgend welche Protection musste Suworoff nun die niedernGrade abdienen und wurde erst nach 14 Jahren Lieutenant. Indieser langen und harten Dienstzeit lebte er sich ganz in die Ge-wohnheiten des gemeinen rassischen Soldaten ein, welche er auchspäter als Feldmarschall nicht ablegte; er schlief auf Stroh, wobeies ihm auf die Stunde nicht ankam, erhob sich aber früh undspeiste sehr massig. Auch in der Verehrung der Heiligen und, wasin Russland vielleicht noch wichtiger, des Zaren, wetteiferte er mit denSöhnen des Volkes und liebte den Wechsel zwischen Scherz und Ernst,wie er im Verkehr der Unteroffiziere mit ihren Untergebenen üblichist. Zugleich aber studirte er schon früh die Kampfesweise derrömischen Feldherrn, Monteeuculis und Karls XII. Besonders im-ponirte ihm die rücksichtslose Kühnheit des letztem, der den An-griff mit blanker Waffe dem Feuergefecht vorzog. Schon im sieben-jährigen Kriege hatte er sich ausgezeichnet, dann kämpfte er inPolen und in beiden Türkenkriegen Katharinas. Im zweiten Türken-kriege beschämte er durch seine glänzenden Erfolge die übrigenrussischen und die österreichischen Generale. Er schlug die Türkenbei Fokschani und am ßimnik vollständig (von dem letztgenannten