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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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keiten, an der Unerfahrenheit und Nachlässigkeit der österreichischenPontoniere (nach der eigenen Schilderung des Erzherzogs II, p. 126 ff),an dem wirksamen Eeuer französischer 1 ) und helvetischer Scharf-schützen und der Energie und Umsicht des feindlichen GeneralsNey. Die russischen Truppen, welche an der Unternehmung sichbetheiligen sollten (es waren, da die andern Abtheilungen noch nichtin Dörflingen eingetroffen waren, erst 67000 Mann), trafen amMorgen des 17. bei Würenlingen, südlich von Döttingen, ein, bliebenaber ohne an dem Eeuergefecht Theil zu nehmen, dort stehen underhielten dann von KorsakofF, der wohl vorausgeritten war, dieNachricht, dass der Yersuch aufgegeben sei. Nach dem höchst an-strengenden Marsche, der nach Miliutin über 30 Stunden gedauerthätte, mussten sie nun bei strömendem Regen und fast ohne Nahrungim Freien lagern und marschirten erst am andern Tage über Wenigenund Dielsdorf nach Seebach (etwa eine Meile nördlich von Zürichgelegen) zurück, wo sie dann ein Lager bezogen. Begreiflicherweiseerregte dieses anstrengende und nutzlose Hin- und Herziehen beiden Russen grosse Verstimmung. Vom Oberbefehlshaber bis zumgemeinen Soldaten tadelte man nicht nur die schlechten Anstaltender Oesterreicher, sondern argwöhnte sogar, das ganze Unternehmensei gar nicht ernstlich gemeint gewesen und habe nur etwa bezweckt,die Aufmerksamkeit des Feindes von der Verfolgung der in den innernKantonen besiegten österreichischen Abtheilungen abzulenken. 2 )

Natürlich war KorsakofF von nun an noch misstrauischer gegen-über dem Erzherzog und noch weniger als bisher geneigt, seinenWeisungen oder Rathschlägen zu folgen. Ein unglücklicher Zwischen-fall vermehrte noch die Verstimmung. Am 18. August legte KorsakofFdem Erzherzog einen Befehl SuworofFs vor, wornach er letzterem10,000 Mann unter der Führung des Fürsten GortschakofF nachItalien senden sollte. Mit diesem Befehl machte SuworofF nur voneiner frühem für den Bedürfnissfall ertheilten Erlaubniss des KaisersPaul Gebrauch (Mil. HI, p. 142, Fuchs H, p. 33) und er hatte beider Absendung des bezüglichen Schreibens noch keine Ahnung von

0 Der Schweizer Meyer deutet, wie mir scheint mit Recht, an, dass die Ehredes Tages nicht ausschliesslich den Helvetiern zufällt (Hotze, p. 356).

s ) Sogar Sacken theilt diese Ansicht, obgleich er sonst über den Erzherzogmilder urtheilt, als die andern russischen Generale (Mil. III, p. 150, 358, 365).