Buch 
12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
Entstehung
Seite
281
JPEG-Download
 

gvldnen Zcsten. 281

Schaarwerks-Namen Dienst und Herrschaftbey Künsten des Schönen?) Fabel und Charakterentsprangen in seinem Kopf zugleich: der Charakterward ein Motiv der Fabel, die Fabel ein Ab-glanz des Charakters. Auf keine Seite ließ erdie Waage schwanken, geschweige, daß er mit allerGewalt sie auf Eine Seite herabgedrückt hatte.

A. Mokiere! Dcs-ToucheS, Reg-nard's Charakterstücke! Greßet und so vieleandre.

B. Greßet's rnscsiant ist ein merharr-ter. unerträglicher Charakter; er hat sich, 'wie meh-rere von Destouches, bald von der Bühne ver-rohren. Manche Stücke nennet man Charakterstük-ke, da sie es doch nicht sind: denn die Spielsucht,z. B. ist ein Fehler, ein Laster, aber kein Charak-ter. Sodann werden Charaktere ja nicht von derBühne verwiesen; vielmehr sind sie ihr unent-behrlich, da die Fabel nur durch sie und mit-telst ihrer handelt. Nur dürfen sie der Fabelnicht gebieten; als Werkzeuge stehen sie unter derFabel, oder vielmehr beyde spielen zu Einem.

A. Der Unterschied will mir nicht in den Sinn.

B. Denken Sie an die unangenehme Hatsche-ley, die Sie jedesmal empfanden, wenn ihnen Cha-raktere anders als durch Handlung, d. i. in derFabel des Stücks selbst exponirt werden sollten. Hierpreisen junge Ehegatten sich einander so selig!„Seyds, rufen wir ihnen zu; zeiget, daß ihrs seyd.Nur schwatzt nicht; ihr werdet unerträglich." Sobey jeder Schilderung des Charakters ins Gesicht