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Früchte aus den sogenannt-
Lessing an Gleim
über
Lieder fürs Volk.
Liebster Freund!
Sie haben mir mit Ihren Liedern für'sVolk eine wahre und große Freude gemacht. —
Man hat oft gesagt, wie gut und nothwendiges sey, daß sich der Dichter zu dem Volke herablas-se. Auch hat es hier und da ein Dichter zu thunversucht. Aber noch keinem ist es eingefallen, esauf die Art zu thun, wie Sie es gethan haben: unddoch denke ich, daß diese Ihre Art die vorzüglichste,wo nicht die einzig wahre ist.
Sich zum Volke herablassen, hat man geglaubt,hieße: gewisse Wahrheiten (und meistens Wahrheitender Religion) so leicht und faßlich vortragen, daß sieder Blödsinnigste aus dem Volke verstehe. DieseHerablassung also hat man lediglich auf den Ver-stand gezogen; und darüber an keine weitere Her-ablassung zu dem Stande gedacht, welche in einertäuschenden Versetzung in die mancherley Umständedes Volks, besteht. Gleichwohl ist diese letztere Her-ablassung von der Beschaffenheit, daß jene ersterevon selbst daraus folgt; da hingegen jene erstere oh-ne diese letztere nichts als ein schaales Gewäsch ist,dem alle individuelle Applikation fehlt.
Ihre Vorgänger, mein Freund, haben das Volkbloß, und allein für den schwachdenkendsten Theil