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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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385
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Homer und Ossian.

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beyder Nationen ist anders; das verschiedene Zeital-ter, in welchem Homer und Ossian lebten, nochganz ungerechnet. Was ein Tausend von Jahrenund Meilen von einander trennt, wollt Ihr als einSymplegma zu Einer Form vereinen?

Schon das unterscheidet Homer von Ossianganz und gar, daß Jener, wenn ich so sagen darf,rein-vb jeetiv, dieser rein-subjectiv dich-tet. Jener ist blos ein Erzähler; sein Hexameterschreitet ein - und vielförmig dahin, ohne alle Theil-nehmung, als die ihm der Inhalt auflegt. An die-sem gleichgehaltenen Hexameter hastet gleich-sam die ganze Kunst Homers; in ihm trägt er all«Leidenschaften vor, in ihm schildert er alle Gegen-stände und Situationen im Himmel, auf Erden undim Orkus; mit ihm misset er Götter, Helden undMenschen gleichförmig. Aus dem gleich-förmigen Hexameter Homers und aus der rubi-gen Weisheit, die ihn belebet, entsprang daherjener Styl Griechenlander, der von der heitern Denk-art dieses Volkes zeuget. An ihm bildete Herc--d o t dem Vortrage und Perioden nach feine Ge-schichte > nach ihm formete sich ein System der Göt-terlehre, der Kunst und Weisheit. — Bey Ossiangeht alles von der Harfe der Empfindung,aus dem Gemüth des Sängers aus; um ihnsind seine Hörer versammlet, und er theilt ihnensein Inneres mit. In diese Welt ziehet er siehinein; diese Zauberwelt verbreitet er rings um sich.Daher die Einleitungen in seine Gesänge, durch wel-che er die Seelen der Zuhörer in seinen Ton gleich-sam stimmet und füget. Er mahlet die Gegenstän-de umher, den Ort, die Tages - und JahrszeitHerdersW. Sir. « Kunst. Xll. B b O- ückr-.