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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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390
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3i)n Homer und Ossian.

Stimme der Heldcnzeit für die schwächere Nachwelt;dies ist der Standpunkt des Sängers, der zugleichden ganzen Charakter seiner Dichtungsact mit sichführet. Er ist die Stimme voriger Zeiten;aber eine traurige Stimme, mit keinem erweckendenAusruf für die Nachzeit begleitet.

Zn jedem Lande bildet sich der Volksgesangnach innern und äußern Veranlassungen der Nation;auf Einem Punkt derselben steht er sodann stille undgewinnt Charakter. Bey den Griechen gab diesenCharakterpunkt der trojanische Krieg, und Ho-mer war der Sänger, der ihn feststellte; unter den Ga-len war es der Aus q a n g desHeldcnstammes;und Ossian dessen trauriger Vcrkünder. Woher in al-lerW^t kam den Galen dieser jammernde A b sehn i ktder Zeiten? und mit ihm für alle Nachzeit zwarein schmelzender, aber zugleich ein niederschlagenderTon der alten Sage? Veranlassete ihn eine fremdeUnterjochung? oder die eindringende Religion derCuldäer, der christlichen Mönche? Auf beydesspielen die Gedichte an; aber warum nur so dunkel?haben die bisherigen Sammler etwa nur aus Höf-lichkeit die hurten Stellen und Töne verschwiegen,denen die Stimme der Galen den Untergang ihresalten Heldenruhms beymißt? oder war diese Stimmeso sanft, daß sie duldend gleichsam schwieg und viel-leicht schweigen mußte? Wie es sev; so sollte dar-über Auskunft gegeben werden: denn es scheint un-möglich, daß ein Volk nur klage, ohne sich zu be-klagen, ohne die Urache seines Verfalls anzuzei-gen und den Geist der Vater, wenn auch mit leerenVersuchen, zurückzurufen und anzufeuern. — Hie-ven nun zeigt sich in dcn Ossianischen Gesängen fast