Band 
Adrastea III.
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Briefe zu Beförderung

Ueber Wahn und Wahnsinn derMenschen.

Eine Vorlesung.

Ohne Zweifel haben Sie, m. H., bei der Zer-gliederung menschlicher Körper' die vielen, unendlich-feinen Striche bemerkt, die im Gehirn dergestalt durcheinander laufen, daß sie das Messer des Zcrgliede-rers nicht mehr verfolgen kann. Eben so fein undvielleicht noch seiner laufen in der menschlichen Seeledie Linien des Wahnes und der Wahrheitdurch einander, daß man nach der sorgfältigsten Prü-fung kaum an sich selbst weiß, wo Eins sich vcm An-dern scheide. ^

Wenn alles das Wahn ist, was wir ohnedeutliche Gründe auf guten Glauben annehmen : soist der größcste Theil unsrer Erfahrungen, unsre früh-gelernte Kenntnisse, unsre frühcrworbne Gewohnhei-ten, und Neigungen auf Wahn gegründet. Sie be-ruhen entweder auf dem Zeugniß unsrer Sinne, oderanderer Menschen, denen wir glauben, die wir un-vermerkt, uns selbst unbewußt, nachahmen, endlich Vam meisten auf unsrer eignen Bequemlichkeit undDisposition, lieber so als anders zu handeln. Sobefestigt sich in unS allmählich eine Gedenk- eineHandlungsweise, deren Ursprung in einzelnenFallen wir selten erforschen mögen. Nur wenigensehr hellen und reinen Seelen ists gegeben, -über diewichtigsten Striche ihrer Denkart sich unparlheiisch