der Humanitär.
79
ihm lebet, wohl ein Wort über ihn sprechen, undauf der großen Tafel der Wcllbegebenheiten zeigen,wo er stand? wo er künftig stehen möchte?
Petrarca war eine der zartesten Seelen, diein menschlichen Körpern erschienen. Nicht seinerSprache allein hat er jene Formen süßer Sonnelleund Eanzonen, und mit diesen zugleich die erlesenstenGedanken der Provenzalen, ja jenes Ideal einer Lie-be eingedrückt, die sich mehr im Himmel als auf derErde fühlet. Sondern für ganz Europa war er ein'eifriger Erwecker der Alten; für Italien, für Romwar er ein Patriot, deßgleichen es unter den Petrar-chisten keinen mehr gab, und was über alles geht,ein strenger Bearbeiter seines Herzens und Geistes.Seine Briefe und andre lateinische Schriften sindeine eigentliche Schule der Bildung sein selbst,voll männlicher Unterhaltung. Eine Seele dieser Art,die allenthalben Ruhe suchte und sie nirgend fand,in einsamen Selbstgesprächen mit ihrem Schutzgeistsprechen zu hören, mag freilich eitele Leser ermüden;Beobachter menschlicher Sinnesarten aber werden ihrangenehm lauschen, und zarte Gemüther, wie Pe-trarca selbst war, wird er lief in ihr Inneres füh-ren. Diese Bekenntnisse und die Nachrichtenzu demLeben des Petrarca*) müssen Jedem,der fürs stille Gemüth liefet, eine liebe Unterhaltungseyn.
Augustin, (der zweyte Mann, den unser Au-tor in seinem Selbstbekenntnisse darstellt,) war einKirchenvater; er ists auch in seinen Eonftssionen.Um die Seele eines Kirchenvaters kennen zu lernen.
Lewgo r 77 ll — 1778.