Z6 Briefe zu Beförderung
mit dem Bau unsers Körpers verwebt ist. FrüheJugendeindrücke, deren wir uns nicht alkemal er-innern, schlugen ihre Faden darein, die BekanNt--schaft mit solchen und andern Wünschen bcsistigteoder veränderte das eingetragene Muster: Kcwohn-cHeiken bestärkten eS noch mehr, und die eigen-cr-worbnen dunkeln Ideen gaben ibm schon denvölligen Umriß, so daß die d e u t I i ch-erk an n teL>hce ihm Meistens nur Noch die Farbe verleihenkonnte. Die völlige Ansicht dicscs Gewirres mitseinen Ursachen und Folgen liegt selten uns ganzvor dem Auge, am wenigsten in einer benebeltenStunde; wir erkennen uns meistens nur stückweise,Mehr in andern , als abgetrennt in uns selbst. Nach-dem Freunde oder Feinde, LobredNct oder VerächterUns begegnen, nachdem sie hatt an uns stoßen oderuns liebkosen und schmeicheln, Nachdem unsre Wün-sche und Bestrebungen gedeihen oder mißrathen; nach-dem werden solche, oder andre Ideen von uns in unsselbst erweckt. Dieser schmeichelt sich, weil andre ihmschmeicheln, jener wird hart und unbiegsam, weil dasSchicksal gewaltig auf ihn zustößt. Vielleicht halter in einigen Stunden zu viel auf'sich, weil andreihn zu sehr verachten, in andern Stünden kömmt erwieder zu sich, und fühlt sich missmutbig und elend.So sind wir oft ein Spiel von uns selbst, ein Spielvon Phantasien andrer, ein Traum der Traume,Einige Menschen sind weit besser, andre viel 'schlech-ter, als sie sich selbst glauben; diese waren und sinde- nicht Mehr; jene träumen ganz etwas anders vonsich, als was in ihnen liegt, und was sie in kurzemseyn werden. Selten tauschen wir andre mir uns