der Humanität.
Warum endlich spielen wir mit Musik, Redekunst-Poesie und Sprache, wenn diese nicht zu Zweckenangewandt werden, zu denen sie, allein und ver-bunden , eigentlich bestimmt und geschaffen sind?Ihrer Natur nach erfordern sie einPublikum; ohne solches sind sie todt und be-graben.
Ein Hymnus z. B. gehört seiner Natur nachfür eine Versa mmlung. Der Dichter, derdiese nicht um sich erblicket, nimmt Himmel undErde, Wälder und Felsen zu seinen Zuhörern undZeugen. Die Stimme eines Lyrischen Dich-ters rufet ein Publikum an und auf. Der Sän-ger, ja selbst der Geschichtschreiber gro-ßer Begebenheiten fodert einen Kreis vonMännern, Weibctn, Jünglingen und Kindernum sich her, denen seine Begebenheiten in Ohrund Seele tönen. Sie öffnen ihm nicht etwa nureine Bühne, auf der er in ihrem Beifall seinenganzen Ruhm ernte, sondern ihre Gemüther selbstsind seine Arena, der Schauplatz, das Ziel, dasMaaß seiner Wirkung. Die Scene, die der Epi-sche Dichter nicht also beschreibt, daß sie denAugen des Zuhörers sichtbar wird, also daß auchin der Seele der Handelnden mit gehaltenem In-teresse alles vor seinen Augen vorgehet, ist keineEpische Scene; die Begebenheit, die der Ge-,schichtschreiber im Zusammenhange ihrerFolgen, wo möglich auch ihrer Ursachen, nichtalso gegenwärtig zu machen weiß, daß dem Zu-hörer sein eignes klares Urtheil darüber reifet, isteine mangelhaft-erzählte Geschichte. Der Lvri-