Band 
Adrastea III.
Seite
150
JPEG-Download
 

Briefe zu Beförderung

i5o

fche Dichter, der mit seiner Kunst in der Seeledes .porenden nicht den Grad von TdeilNehmungtrifft, auf den seine Kunst als auf den Punkt ih-rer Vollkommenheit rechnet, hat aus ein Nichtsgearbeitet, und verfehlt seine Wirkung. Alle dieseProduktionen also wollen ein Publikum, auswelchem sie gleichsam hervor-auf welches sie zurück-gehen, aus welchem sie die Regel ihrer Kunstnahmen.

Wo sind nun in Deutschland die Odeen unsrerGeschichtschreiber, unsrer Lyrischen und EpischenDichtere Wo sind die Schulen, in denen mandie edelsten Gesänge den Jünglingen ans Herz legt,und sie nebst den schönsten classischen Stellen derAlten nicht etwa blos declamirt, sondern in dieSeelen schreibet? Nur was selbst Gestalt hat, kannGestalt geben; nur Flamme kann Flamme ver-breiten. Ein Athem aber kann auch aus Funkeneine Flamme wecken und viele todte Kohlen entzün-den. An glühenden Funken hat es Deutschlandnicht gefehlet; sie sind aber nie zur Flamme ange-facht worden. Der sogenannte Minn egesangwar Hvfgeschmack; er ging vorüber. Die Zeitender Reformation brachten flehende Gefahr-, dan-kende Lobgesänge in den Mund vieler; siegingen mit der Gefahr vorüber. Der dreißigjährigeKrieg weckte Stimmen mancher Art für beide Par-theien; die Feldherrn der Ligue wurden ebensowohl,als die Feldherrn und Retter der Union gepriesen,und unter den letzten sind die Namen eines Ernstvon Mansfeld, Christian von Anhalt,Johann Ernst und Bernhards von