Briefe zu Beförderung
»hm Pflicht, Recht und Wahrheit lieb ist, nicht ver-bergen. Ein Mann, der öffentlich spricht, stehet fürsein Wort; sonst nennet man ihn einen Feigen oderLügner, Mit diesem einzigen leichten, wie mich dünkt,nicht ungerechten Mittet, wie mancher Keckheit, wieMancher Vecläumdung würde vorgebeugt, die setztblos hinter der Anonymst Schutz sucht. Wie vor-sichtiger, überdachter und gehöriger würde man zumPublikum sprechen, wenn man wüßte, daß man nichtohne eigne Ehre oder Schande zu ihm sprechen konn-te! Und verdient das Publikum, der .ehrwürdigsteName, der genannt werde» kaun, die Gesell-schaft aller Guten und Edlen, nicht dieseAchtung? Jeder Schriftsteller würde veranlaßt, inder würdigsten Gestalt vor ihm zu erscheinen, seineStimme vor diesem großen Tribunal bescheiden hö-ren zu lassen, dagegen aber auch, was er weise be-hauptet, standhaft zu vertheidigen, ein ehrlicher Be-kenn» zu seyn, der von ihm dem PublikumgemeldetenWahrhe it. Jene Winkeltragerest»,aufgefangene Gerüchte, erstohkne Persynalitäten ver-lören sich von selbst; kein bhcliebender wollte mitsolcher Waare öffenttich am Mackt stehn, die schänd-lich ist und fürs Publikum nicht gehöret. In Grie-chenland und Rom schämte sich kein Schriftsteller sei-ner Werke; auch unter uns darf sich kein Stand einerSchrift, wenn sie gut ist, - schämen; dem höchstenwie dem niedrigsten Stande sollte Anonymst nicht er-laubt seyn, und überhaupt dieselbe für das, was sieist, für Hinterlist, Schimpf, niedrigesGewerbe und Feigheit gelten. Wer zum Pu-blikum spricht, spreche als ein Theil des Publikums,also öffentlich, yii't seinem Nansty,