der Humanita.t. 21 5
druckte Abhandlungen vorhanden!) sind mir schöneReste von Philosophen der alten Zeit.
Hören Sie was Leib n itz von seinem Censor-geist saget: „Niemand hak weniger Censorgeist, alsich habe. Sonderbar ists; aber mir gefällt dasMeiste, was ich lese. Da ich nämlich weiß-, wieverschieden die Sachen genommen werden, so falltmir während dem Lesen meistens bei, womit manden Schriftsteller vertheidigen öder entschuldigenkönnte. Sehr selten ists, daß mir im Lesen etwasganz mißfällt, obgleich freilich dem Einen Dielt,dem Andern Das mehr gefallen möchte. — Ich bineinmal so gcbauet, daß ich allenthalben am liebstenaussuche und bemerke, was lobenswenh ist, nichtwas Tadel verdienet." Könnte der Geist der Phi-lanthropie selbst billiger und milder denken?
Und doch, warum erfuhren eben die friedlieben-den, die billigsten Gemüther, Erasmus, Gro-tius, Comenius, Leibnitz so manchen ÜbelnDank ihrer Zeitgenossen? Die Ursache ist leicht zäfindenweil sie partheylos und jene mit Borur-theilen befangene streitende Partheyen waren. Die-sen gaben Unwissenheit, Eigennutz, blindes Herkom-men, gekränkter Stolz und zehn andre Furien dasStrcitgewehr oder den Dolch her Derlaumdung indie Hände; jene kämpften friedlich hinter demSchilde der Wahrheit und Güte. Der goldeneSchild der Wahrheit und Güte bleibt; ihre Strei-ter können persönlich fallen, aber ihrSieg ist wach-send und unsterblich.