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Beiträge zur Geschichte der Planimeter / von Dr. Anton Favaro
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wurde, und es befinde sich während des Umfahrensder Figur mit dem Stifte P dieser Stift in dem Ab-stande y von der Axe x, so ist auch die Entfernungdes Berührungspunktes des Rädchens R vom Cent-rum der Scheibe = y. Führt man den Stift P parallelzur ai-Axe um ein unendlich kleines Stück dx weiter,so bewirkt die Zahnstange, dass jeder Punkt am Um-fange des Zahngetriebes (oder eigentlich im Theil-kreise des Zahngetriebes) auch den Weg d x zurück-legt. Da die Scheibe mit dem Zahngetriebe fest undkoncentrisch verbunden ist, so muss der Bogen B derScheibe, welcher unter dem Berührungspunkte desRädchens R weggeht, sich zu dx genau so verhalten,wie y zu dem Halbmesser r des Zahngetriebes:

B : d x = y : r,

woraus folgt:

B. y d x.

Man ersieht hieraus, dass die Aufgabe der Scheibedarin besteht, die mit y veränderlichen Werthe von

-.ydx zu bestimmen.r

Stellen wir uns für einen Augenblick vor, anStelle des Rädchens R sei ein zeichnender Stift undumfahren wir mit der Spitze Pdie nach Art der Fig. 1 aaus Rechtecken zusammengesetzte Figur, so erkennenwir, dass der Zeichnenstift auf der Scheibe koncen-trische Kreisbögen von den Radien yy'y. . . zeichnet,während P die konstanten Breiten bc = bc = bc, == . . .Aas durchläuft. Diese stufenförmig aufeinanderfolgenden Kreisbögen haben beziehungsweise dieLängen:

1 . 1 , . 1 .

.y.Ax, .y'.Ax, .y'.Ax,. .

und nehmen wir jetzt statt der Rocht ecke von denendlichen Breiten A x solche von unendlich kleinerkonstanter Breite d x an, so verwandelt sich die Liniebcb'c'b... in eine Kurve und die aus koncentri-schen Kreisbögen stufenförmig auf der Scheibe ge-zeichnete Linie geht gleichfalls in eine stetige krummeLinie über, deren unendlich kleinen Kreisbogentheile

die Längen i. ydx haben. Es ist nun aus dem Frü-

heren klar, dass die Bogenlänge y d x das Massvom Flächeninhalte jenes Rechteckchens bedeutet, des-

sen Breite = dx und dessen Höhe == y ist. Summirtman alle die unendlich vielen kleinen Bogen, so mussdie Summe

das Mass der vom Stifte P umfahrenen krummlinigbegrenzten Fläche sein und da bekanntlich

den Flächenraum der vom Stifte P umfahrenen Flächevorstellt, so sieht man ein, dass das eigentlicheFlächen-ausmass erhalten wird, wenn man die auf der Scheibegezeichnete Summe

mit dem Halbmesser r des Zahngetriebes inultiplizirt.

Diese Summe zu bilden, ist nun der Zweck desRädchens R, welches den Zeichnenstift ersetzt. In-dem das Rädchen vermöge der Reibung sich dreht,beschreibt jeder Punkt seines Umfanges einen Weg,der der Summe der erwähnten Bögen gleich ist. IstR der Radius des Rädchens P, ferner R der Radiusfür die Zeigerspitze Q und B der von Q durchlaufene

Bogen, so verhält sich die Bogensumme -^Jydx zum

Bogen B ebenso wie der Radius R zum Radius R 1und aus dieser Proportion folgt:

B ' = Wrß dX '

welche Grösse B jene Länge ist, die von der Zeiger-spitze Q zurückgelegt wird, während der Fahrstift Pden Umfang der Figur durchläuft. Wird nun B mit

Rr

der konstanten Zahl C = multiplizirt, so entsteht

das Resultat J"yd x als Ausdruck für den Flächen-inhalt der umfahrenen beliebig begrenzten Figur, folg-JRv

lieh ist C = -gj- jene konstante Rechteckbasis NM,die wir in Fig. 1 b kennen gelernt haben.

Es ist sonacb vollkommen ersichtlich geworden,dass die in ihren Hauptziigen beschriebene Maschinezur mechanischen Bestimmung der Flächeninhaltevon beliebigen ebenen Figuren geeignet sein wird.