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tugend. Und zwar ist die Schweizertreue namentlich durchden Kriegsdienst im Ausland zum allgemeinen Völker-bewußtsein und zu allseitiger Anerkennung gelangt. Dasglänzendste Beispiel derselben hat aber offenbar dasSchweizergarderegiment am 10. August 1792 unter denschwierigsten Verhältnissen geliefert.
Obschon der König, den die Schweizer schützen sollten,bereits sich selbst aufgegeben hatte, so blieben s i e dennochtreu und ließen sich nicht beirren, weder durch den Ab-fall der neben ihnen stehenden Truppen und die ihnengemachten Verheißungen, noch durch die Aussicht auf densichern Tod, der ihnen im Hinblick auf die gegenüber-stehende Uebermacht drohte.
Als wahre Schweizer haben sie, dem gegebenen Wortegetreu, ihtt Seelen ausgehaucht, die Einen im heißenKampfe fallend, die Andern vom wüthenden Volkshaufenzerrissen, nachdem sie auf Befehl des Königs ihre Waffenabgelegt hatten, und wieder Andere unter der Hand derHenker. Alle sind sie gleich muthig und standhaft gestorben,für alle Zeiten Vor- und Sinnbilder schweizerischer Treueund Standhaftigkeit.
Jedes Opfer adelt den Menschen! Derjenige, derden sichern Tod in Erfüllung seiner Pflicht dem Lebenvorzieht, an welches sich Andere, durch gleiche Pflichtgebunden, anklammern, hat ein Recht auf Anerkennung.
Ein solches Opfer, von Vielen vereint dargebracht,ist aber eben so selten als ruhmwürdig.
Nur eine so große und edle That konnte den berühm-ten dänischen Bildhauer (Thorwaldsen) zu dem herr-lichen Denkmal begeistern, das an den Gestaden desVierwaldstättersee's auch künftigen Geschlechtern den Opfer-