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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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sucht zu lassen, um zu den schlagenden Truppen zn kommen." EinenEinfluß auf meine Stimmung hatte das nachstehende Schreibenmeines alten Obersten Schwartz:

.Münster, 13. September 1870. Mein lieber Hauptmannv. Natzmer, Ihr Schreiben vom 4. September ist mir nach Mün-den, wo ich mich (als stellvertretender Brigadecommandeur) zur In-spizierung befand, nachgeschickt worden, und erst heute kann ich esvon hier aus beantworten.

Wie oft habe ich an meine Unterredung mit Ihnen und IhrerFrau Gemahlin gedacht, als ich das unermeßliche Unglück unseresbraven Regiments erfuhr. Ich kann Ihnen nicht beschreiben, wieschmerzlich ich berührt bin durch den Verlust so vieler tüchtigerKameraden und den Tod meines braven Neffen. Doch lassen wirdie schweren Opfer ruhen, sie werden nicht vergebens gebracht sein,und wenden wir uns zu den Lebenden.

Sie wissen, daß ich Ihren Gefühlen alle Gerechtigkeit wider-fahren lasse, und niemand wie ich fühlt lebhafter, was es heißt, inzweiter, ja dritter Linie zu stehen, aber der echte Soldat muß estragen. Er geht dahin, wo es befohlen wird, und greift nicht insein Schicksal ein. Wie wenig bin ich berechtigt und befähigt inIhre Wünsche einzugehen, mir scheint, nur das Regiment selbstkann Ihnen helfen, bei dem großen Verlust an Offizieren wird esdem neuen Regimentscommandeur nur erwünscht sein, ältere Com-pagniechefs zu erhalten, und ich glaube nicht, daß es ihm schwergemacht würde, wenn er einen Tausch beantragte.

Übrigens hat man gewiß nicht ohne Absicht die Landwehr-bataillone außer einem Commandeur mit einem älteren, gewiegtenHauptmann von der Linie ausgestattet, und ich kann Ihnen nurraten, Ihr Schicksal mit Fassung zn tragen und sich an meinemBeispiel aufzurichten.

So gerne ich meinem Bruder (dem Artilleristen) das eiserneKreuz gönne, so war die Erringung desselben einer meiner schönstenTräume, die ich opfern mußte.

Sie stehen wenigstens in Frankreich in Feindesland, denkenSie sich in Minden, Emdcn, zur Bewachung von Gefangenen, Siewerden sich dann mit Ihrem Berufe schneller versöhnen.

Übrigens ist ja die Geschichte noch nicht zu Ende. Sie können