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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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sprechendes. Als ich dasselbe betreten wollte, kam mir ein Ulanentgegen, und meldete sich als Bursche eines Oberst v. Bode mitder Bemerkung, daß sein Herr mit seinem Regiment ausgerücktsei und jeden Augenblick in dies Haus, wo er wohne, zurückkehrenmüsse.

In der Sorge, daß das Ende einer Auseinandersetzung mitdem zurückkehrenden Regimentscommandeur ein Konflikt sein möchte,unter welchem meine Offiziere leiden könnten, bat ich den eben dieStraße passierenden Oberst v. Kranach, der noch kein Quartierhatte, einzutreten, und bettete ihn, als wir müde waren, auf demLager seines Kollegen, während wir Offiziere des Bataillons unsin der Wohnstube auf der Erde einrichteten. Mitten in der Nachtöffnete sich die Thüre, und es trat der Oberst v. Bode ein. Be-vor er noch Zeit fand, seinem Erstaunen Ausdruck zu geben, tratihm einer meiner Offiziere, der sich entkleidet hatte, mit der indienstlicher Form erstatteten Meldung entgegen:Herr Oberst, ichmelde, das Quartier ist belegt mit einem Obersten, einem Bataillons-commandeur und neun Offizieren." Sich mit seinesgleichen aus-sprechen zu lassen, führte ich den Herrn alsdann dem Oberstv. Kranach zu, der ihn mit seiner Jovialität so zu beruhigenwußte, daß Oberst v. Bode den Rest der Nacht ganz zufrieden beiKranach auf einem Stuhle zubrachte. Wir verließen das Quartiermit vielen herzlichen und scherzhaften Danksagungen.

Im Lager hatten wir Offiziere des Bataillons uns ein Ca-sino eingerichtet, in welchem wir des Abends bei einem GlaseGlühwein ein Plauderstündchen hielten, an dem auch unser Oberstin kameradschaftlicher Weise teilnahm. Zu den beliebtesten Erzäh-lern gehörte der Premierlieutcnant v. Neröe.

Gleich anfangs hatte mir der Oberst mitgeteilt, daß die be-wußte Landwehrangelegenheit an ihn gelangt sei und er bedaure, daßich wegen der Mißhandlung Unannehmlichkeiten haben würde. Ichversicherte auf das Bestimmteste, daß die Züchtigung, wenn auch straf-bar, unter den obwaltenden Umständen den Charakter einer Miß-handlung nicht gehabt habe. Ich könne nur bitten, die Beteilig-ten darüber Vernehmen zu lassen.

Der Oberst ging darauf ein und kam am 7. Oktober mit derNachricht zu uns, daß alle Zeugen sich in der von mir ge-