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allerlei Pikantes vom Hofe erzählte. Wenn ich mich recht entsinne,war er durch seine Mutter mit dem bekannten Minister Morny,Sohn der Königin Hortense, verwandt. Unter anderem erzählte ermir zu einer Charakteristik des Napoleonischen Lebens, daß, alseiner der Adjutanten des Kaisers von einem Befehle desselben, zuihm zu kommen, in dem Augenblick überrascht wurde, wie er indem Wagen seiner Gattin mit seiner Maitresse spazieren fuhr under diese, auf ihr Begehren, mit sich in die Tuilerieen nahm, dieKaiserin sie, in dem Glauben, es sei Madame, die in ihremWagen sitze, habe einladen lassen, zu ihr zu kommen, und dieMaitresse der Aufforderung gefolgt sei. Unter solchen Eindrückennannte mein Gastgeber Paris das große Babel, dies hielt ihnaber nicht ab, darauf sehr stolz zu sein. Dabei gehörte er zudenen, welche den Grafen Chambord, den er täglich auf seinemKamin im Bilde vor Augen hatte, als Heinrich V. verehrten,nicht ohne aber auch, aus mein Befragen, mir zu gestehen, daßsein Idol nie wieder zur Regierung kommen könne. Mir ist dieseÄußerung aus dem Munde eines der Besten seines Vaterlandesein Beweis gewesen, daß das historische Frankreich in absehbarerZeit keine Zukunft hat.
Der Baron war Witwer, in erschütternder Weise erzählte ermir, als wir von der Schweiz sprachen, wie daselbst seine Gattin,die mit einem unserer deutschen Magnaten, irre ich nicht, demReichsgrasen Salm, verschwägert gewesen, verunglückt sei. Siewar auf der Gemmi, die sie zu Pferde bestiegen, in einen tiefenAbgrund gestürzt. Erst nach Tagen habe man ihm, als letztenGruß von ihr, ein Andenken an sie in einem Taschentuch über-bracht. Der Baron lebte auf seinem schönen Schloß wie ein Ein-siedler.
Als mir auffiel, daß sein Marstall leer war, sagte er mir, daßer die Pferde vor den Preußen in eine entfernte Gegend geflüchtethabe. Nach dem Friedensschluß, wo ich ihn wiedersah, gestand ermir. daß er sie in einem ihm benachbarten Walde versteckt gehabthabe.
Im Begriffe, Chatillon, wo das Regiment sein Rendez-Voushatte, zu verlassen, erhielt ich den Befehl, mit meinem Bataillonzurückzubleiben und das Eintreffen der uns folgenden Brigade Va-