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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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Am 7. Oktober Mittags gegen 1 Uhr wurden wir in unseren! Bivouakbei Antillh, das wir mit dem Füsilierbataillon zusammen bezogen hatten, durchdie Alarmsignale aus unserer Mittagsruhe aufgestört.

Schon den ganzen Morgen über und am vorhergegangenen Nachmittagewar ein lebhaftes Artilleriefeuer jenseits der Mosel zu hören gewesen. ImNu standen die beiden Bataillone marschbereit da.

Wir überschritten die Mosel und stellten uns in äußerster Reserve in denSchützengräben aus.

Gegen 4 Uhr kam der Befehl für uns, einzugreifen. Es war nämlichdem Feinde gelungen, mit bedeutender Übermacht ein von unserer 58er und19er Landwehr besetztes Gehöft, Les grandcs Tapes und einen links davon ge-legenen Erdwall zu nehmen.

Unserem Regimente war die Aufgabe zugefallen, diese beiden wichtigen Po-sitionen dem Feinde wieder zu entreißen, und ich darf wohl behaupten, daßwir uns unseres Auftrages in brillanter Weise entledigt haben.

Um das Gehöft und die Brustwehr zu erreichen, mußten wir ungefähr1000 Schritt aus freiem Felde avancieren. Unter dem heftigsten Kugelregengingen wir dann vor, in Compagniekolonnen, mit ausgeschwärmten Schützen-zügen, in vollständigster Ordnung, ohne jedoch einen Schuß abzugeben.

Nach einigen hundert Schritten wurde in den Schützengräben Halt ge-macht, das feindliche Jnsanterieseuer hatte jetzt seinen Höhepunkt erreicht. Wirbekamen nicht allein von vorne, sondern auch von der rechten Flanke her einFeuer, das eine mörderische Wirkung hätte haben müssen, wenn nicht die Fran-zosen, ihrer bekannten Gewohnheit getreu, zu hoch angeschlagen hätten. DieKugeln sausten uns wie Bienenschwärme über den Kops hinweg (und ich hättekeinen! raten mögen, aus wenig angebrachter Neugier, den Kopf zu erhebenoder gar auszustehen). Trotz dieser keineswegs gemütlichen Situation machte sichder gute Humor in einigen gelungenen Witzen Luft.

So hörte ich jemand sich darüber beklagen, wie unvorsichtig die Franzosenmit ihren Gewehren umgingen. Ein anderer fürchtete in dein Durcheinandervon verschlungenen Glicdmaßen, seine Beine nicht wieder heraus finden zukönnen.

Derartigen philosophischen Betrachtungen wurde indes bald durch dasKommando: .Ausstehen und Avancieren' ein Ende gemacht.

Unsere Compagnie hatte den Befehl, den schon oben erwähnten Erdwallzu nehmen, während den übrigen Compagnieen des 1. Bataillons und demFüsilicrbataillon die Ausgabe zugefallen war, den Feind aus dem rechts vondemselben gelegenen Gehöfte zu vertreiben.

Sobald aus dein Munde unseres Compaguiesührcrs das Kommando zumAvancieren erscholl, erhob sich die Compagnie (welche bei dem RechtSschwenkendes Angriffs sich hinter den linken Flügel der Schützenlinie in Reserve gesetzthatte) wie ein Mann.

Im dichtesten Kugelregen wurde wieder Compagnickolonne formiert, derSchlltzenzug, unter Führung des Lieutenants Hausmann, schwärmte anS, und