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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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Entschlossener Mut und das Verlangen an den Erbfeind heranzukommen,ließ das Bataillon allmählich in schnellerem Schritte einem sich vor uns hin-ziehenden Erdwall zueilen, der eine geeignete Position zu sein schien, um nunauch unserseits das Feuer zu eröffnen.

Etwa noch SO Schritt von dein Wall entfernt, wurde das Feuer ein soheftiges und wohlgezieltes, daß der Commandeur der beiden vordersten Lom-pagnieen befahl, sich im Laufschritt in den sich hinter dem Erdwall hinziehendenGraben zu werfen und die 8. Compagnie in die Verlängerung der beidenvorderen Lompagnieen hineinzog, da durch eine Biegung, welche die Mosel ander Stelle machte, freies Terrain zum Einschieben entstanden war.

Hinein zuerst die Schützen, ungeachtet des in dem Graben stehenden suß-tiesen Wassers, hinein dann die Soutiens und über unsern Köpfen sausten diefranzösischen Kugeln hageldicht.

Über die Furchtbarkeit des französischen Jnfanteriefeuers haben sich schonviele Autoritäten ausgesprochen, aber, was es heißt, das konzentrische Feuervon 4 5 Bataillonen der gefürchtcten kaiserlichen Garde, welche unserm Ba-taillon gegenüberstanden, auszuhalten, das spottet jeder Beschreibung.

Als Major v. Wehren sich nach kurzer Umschau überzeugt hatte, daß dieEntfernung vom Feinde noch zu groß sei, um unserseits ein wirksames Feuereröffnen zu können, befahl er abermals .Vorwärts', und hinüber ging'S miteinem Riesenelan über den Wall, zuerst die Offiziere, vorwärts über freies Feld,den Geschossen des FeindcS entgegen.

Ein kleiner Terrainabschnitt wird sichtbar. , Hineinwerfen', erschallt dasKommando, und von der Erde verschwunden ist das Bataillon. Aber noch istdie Entfernung zu groß, darum nach einigem Verschnaufen abermals: .Vor-wärts', und wieder stürmt das Bataillon tigerartig dahin. Ein dritter ähn-licher Vorstoß ist nötig, bis wir endlich auf 400 Schritt heran sind.

Wieder liegt alles aus dem Boden, ein kurzes Aufatmen ist nun gestattet,da der Feind durch unser rapides Vorrennen für einen Moment unser Zielverloren hat und über uns hinwcgschießt. Jetzt ist der Moment gekommen,wo unsere Zündnadel in Bewegung gesetzt werden kann. Das ruhige, sichereZielen und Feuern unserer Leute legte Zeugnis ab von dem Werte der preußi-schen Disziplin.

An diesem Punkte trafen wir auch den Rest der Landwehr, die sich mitbewunderungswürdiger Bravour hier nun schon so lange gehalten hatte.

Als das Häuflein uns sah, sprangen die meisten auf, steckten ihre Käppisaufs Bajonett und riefen Hochs auf unsern teuern König.

Auch muß hier noch erwähnt werden, daß in dem Moment, als das Ba-taillon in dem Wassergraben ankam, ein Reiter, hoch zu Roß, hinter uns er-schien; es war der Hanptmann Tiedemann, der eigentliche Führer der 8. Com-pagnie, der au einer Beinwunde, die ihm ein französisches Pferd geschlagenhatte, krank darnicderlag und auf die erste Nachricht, daß seine Compagnieins Feld rücke, sich auss Pferd heben ließ und den Kamps bis zu Ende mit-machte, wo er kraftlos zusammenbrach.