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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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Unser lebhaftes Feuer gab dem Feinde nur zu bald eiu gutes Zielobjekt,und so schlugen seine Kugeln immer dichter in unseren Reihen ein.

IV, Stunden hielt das Bataillon das Feuer aus, ohne zu wanken, ohne«inen Schritt aufzugeben, aber es stellte sich immer deutlicher heraus, daß dieÜbermacht vor uns zu groß sei, um ohne Unterstützung den letzten, entschei-denden Schritt auf die verschanzte Stellung der Franzosen zu unternehmen,und mancher hat da wohl wie Wellington gedacht: , Ich wollte, es wäre Nacht,oder es kämen noch einige Compagnieen Preußen.'

Da, was ist das! Rechts von uns rückt mit fliegender Fahne eine Ko-lonne an; es ist das 1. Bataillon des 16. Regiments unter Hauptmannv. Natzmer, welcher zu unserer Unterstützung noch vorgeschickt ist und das vonden Franzosen besetzte Petites! Tapes angreift.

Den Moment ergreift unser Major, giebt den Befehl zum Aufstehen undSammeln der Compagnie und in einem Moment stehen dieselben ungeachtetdes heftigsten Feuers geschlossen da, und mit Hurrah, der Major und die üb-rigen Offiziere, mit geschwungenem Säbel an der Spitze, stürmt alles mit ge-fälltem Bajonett mit einer vom Major befohlenen Viertelschwenkung nachrechts gegen den Feind. Das war ein für ein Soldatenherz unvergeßlicherMoment, aber solchem Angriff konnte auch selbst die Garde Jmperiale nichtwiderstehen, in hellen Hausen sah man sie in eiligem Rückzüge, nicht ohne in-dessen noch immer ein lebhaftes Feuer zu unterhalten, davoneilen.

Doch so leichten Kauss wollte der Major dieselben nicht entschlüpfen lassen.Er kommandierte dabei: ,Halt, Salven geben, aber recht ruhig', und dahinflogen die glattesten Salven der 5. und 7. Compagnie, wie auf dem Schieß-plätze. Köstlich war dabei die Gelassenheit des Hauptmann Feige: ,Nunbitte ich mir aber eine recht ruhige gute Salveaus legt an! Feuer!' und wie aus einem Laufe flogen 100 Kugeln,deren Wirkung deutlich sichtbar war.

Doch, Horch! Französische Kavallerie-Signale! , CarrL formieren', erschalltdas Lommando des Bataillonsconmiandeurs, und im Nu standen die Com-pagnieen im Carre.

Man sah kleine Rcitertrupps, die jedoch, von unsern! Feuer verscheucht,keinen Angriff wagten.

Jetzt war das Schwerste vollbracht, der Feind wich von allen Punktenzurück, nur bei der inzwischen eingebrochenen Dämmerung ruhen die Com-pagnicen eine halbe Stunde aus.

Bon Offizieren ist nur der Hauptmann Thorbeck von der 6. Compagnieverwundet.

Doch noch war nicht alles vollbracht, der Feind mußte verfolgt werden,er durste sich in den vorliegenden Gehöften und Ortschaften nicht wieder fest-setzen.

Unser Commandeur rückte deshalb auf das feste Franclochampsvor und besetzte dasselbe, ohne den Feind daselbst vorzufinden. Plötzlich be-ginnt in der Dunkelheit rechts von uns ein ganz neues Gefecht. Teile der