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Liste durch die Anhänger Frankreichs in den Orten zurYertheilung. Mouslier gelang es, dieselben auf Kostender öffentlichen zu erhöhen; von seinem Vorhaben aber,diese Listen auch noch selbst zu kontrolliren, wollte so-gar Lionne nichts wissen. Aehnlich stand es um dieGratifikationen; diese wurden häufig verlangt, um mög-lichst viel aus Frankreich zu erpressen. So wusste sichSonnenberg längere Zeit 500 Livres jährlich zu ver-schaffen. Im September 1668 erhielt Mouslier für Grati-fikationen volle 40,000 Franken, aber mit der Weisung,dieselben erst nach geschehener Dienstleistung auszu-bezahlen; davon erhielt Landammann Schmid von Uri3000 Franken. 1669 erhielt Georg Wagner, Stadt-schreiber von Solothurn, 3000 Livres für seine Umtriebegegen Spanien , und im September 1670 erhielten Schult-heiss Samuel Frisching und General Sigmund von Er lach , als Ueherbringer der bernischen Deklaration zumfranzösischen Bündnisse, 60 Goldpistolen; der Ersterebekam dazu noch 1100 Franken extra. Mit den be-sondern Jahrespensionen wusste Mouslier zu erlangen,was er wollte, und man war in der Schweiz an dasfranzösische Geld schon so gewöhnt, dass man sich Allesgefallen liess, um es nicht zu entbehren.
Ganz analog ging es mit den Verhandlungen betreffsder Handelsprivilegien. Ludwig XI. hatte, um den Marktvon Genf nach Lyon zu ziehen, den schweizerischenKaufleuten die Zollfreiheit daselbst verliehen. Im Jahre1516 hatte sodann Franz I. deren Privilegien bestätigt,und, wie wir gesehen, mit den Schweizern gegenseitigeFreiheit des Handels und Wandels vereinbart. Im Jahre1581 erhob nun Heinrich III. einen Eingangszoll von2 % des Werthes der betreffenden Waaren. Frankreich näherte sich somit dem Schutzzollsystem. St. Gallen pro-testirte nun bei Zürich ; dieses schloss sich dem Protestean und fügte seinerseits noch die Artikel „Samat“ und„Syden“ hinzu. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts