Die Befreiungskriege 1812 — 14 . 179
einen sehr zweideutigen, der Geschichte aber einen sehr großen Dienstgeleistet. -
Ueberhaupt sind die Korrespondenzen, die in neuester Zeit andas Licht getreten sind, von einem Werth, der kaum zu überschätzenist. Den Briefwechsel Napoleon's, den die französische Regierungherausgeben läßt, könnten wir eigentlich mit Stillschweigen über-gehen, denn er hat die Periode noch nicht erreicht, die uns hier be-schäftigt. So weit er bis jetzt geht, bringt er wenig von Bedeutung,das nicht schon in der früheren Ausgabe, in der Oorresponckanes in-öäito zu finden wäre, und was die Folgezeit betrifft, ist es eine aller-dings auszuwerfende Frage, ob diese officielle imperialistische Aus-gabe auch immer zuverlässig bleiben, und die Texte ganz treu wiedergeben wird. Auch die Herausgabe der Briefe Eugen Beauharnais'ist noch nicht so weit vorgerückt, daß sie uns hier näher beschäftigendürften. Sie enthalten gar vieles Werthvolle und Bedeutende; fürdie Zeit der Befreiungskriege dürfen wir vorzugsweise für den Früh-jahrsseldzug 1813 neues Material von ihnen erwarten; über den Zugnach Rußland wohl kaum mehr als eine neue Bestätigung dessen,was wir schon wissen. "
Für den Feldzug 1814 ist der Briefwechsel Joseph Buonaparte'sohne Widerrede eine der wichtigsten und reichsten Quellen, die überNapoleon's Ansichten und Pläne, über die Gründe seines Thuns undLassens vielfach Aufschluß gibt, wo er uns noch fehlte, und manchenIrrthum verbannt, der bisher gäng und gebe war. Er führt unsunmittelbar mitten in das Leben jener bewegten Zeit; er giebt unsgleichsam ein photographisches Bild des intellectuellen- und Willen-Lebens Napoleon's, und das ist sein hauptsächlicher Werth.
Auf der anderen Seite wirft außer Toll's Briefwechsel besondersauch Lord Castlereagh's Korrespondenz neues Licht auf das, was imRath der Verbündeten vorging und beabsichtigt wurde, und bestätigtuns zugleich von Neuem in der Ueberzeugung, daß wir es hier großen-theils mit kleinlicheren Leidenschaften und kleineren Leuten zu thunhaben; — daß der Freiherr von Stein nicht so ganz Unrecht hatte,wenn er den edlen Lord selbst und so manchen seines Gleichen etwaswegwerfend „Homuncionen" nannte.
Doch es kann hier nicht die Absicht sein, alle neueren Werkeüber die Befreiungskriege kritisch durchzumustern; das würde zu weit
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