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Die Befreiungskriege 1812—14.
schiedenen Lebensaltern, zwei ganz verschiedene Menschen auftraten.Der Eine sei herzensgut gewesen, gerecht, einer wirklichen Zuneigungfähig und großmüthig gegen seine Feinde —: der Andere von einemsatanischen Hochmuth und großer Verachtung der Menschen beseelt;die Interessen der Menschheit für nichts achtend. Aber das sind Ueber-treibungen, die Marmont wohl nur vorbringt, um sein eigenes sehrverändertes Verhalten gegen Napoleon zu beschönigen.
Was in diesen Vorstellungen wahres liegen mag, hat doch amEnde mehr nur eine scheinbare als wirkliche Bedeutung, denn es be-zieht sich auf die untergeordneten, nebensächlichen Eigenschaften, nichtauf die Grundzüge des Charakters. Ohne Zweifel hat die Gracieder Jugend auch der Jugend Napoleon's nicht gefehlt. Viele Zeug-nisfe bestätigen, daß er in seinen früheren Jahren sehr liebenswürdigsein konnte. Die Poesie, die reine unbefangene Begeisterung derJugend aber, ist ihm von jeher fremd gewesen; er scheint schon vollen-det weltklug auf die Welt gekommen zu sein, als eine von jenen durch-aus prosaischen, wenn auch leidenschaftlichen italienischen Naturen,denen jeder Sinn und jedes Verständniß für das Ideale fehlt.
Schon in den Tagebüchern des Artillerie-Lieutenants NapoleonsBuonaparte, die Libri-Bagnano bekannt gemacht hat, und die vonden Franzofen schon deshalb ignorirt werden, weil der Lieutenantseine Bemerkungen in seiner italienischen Muttersprache niedergeschrie-ben hatte —: schon in diesen konnte jeder sehen, wie Napoleon diefranzösische Revolution freudig begrüßte, aber ohne alle Begeisterung— ohne entfernt die Täuschungen der Feuillants und der Girondisten,der Leute wie Schiller und Herder zu theilen, und an eine idealeUmgestaltung der gesellschaftlichen Zustände zu glauben. Er freut sichbloß, im Bewußtsein der eigenen Kraft, der trefflichen Gelegenheit,für seine Person empor zu kommen, die so große Ereignisse bringenmußten; und da er zunächst noch unbemerkt bleibt in Frankreich,führt ihn der Verdruß vorübergehend auf den Gedanken, ob er nichtin dieser Verwirrung König von Corsika werden könnte.
In den Briefen, die dann Napoleon als junger General an dasDirectorium richtet, um darzuthuu, daß eine Republik unter Menschenund gesellschaftlichen Verhältnissen, wie die Zeit sie in Italien vor-fand, unmöglich sei, zeigt sich das scharfe, nüchterne Urtheil, die Ver-achtung der Menschen, die ungläubige Feindseligkeit gegen alles Ideale