Band 
Erster Band.
Seite
197
JPEG-Download
 

Die Befreiungskriege 1812 14.

197

Napoleon schloß, nach diesen Siegen, zn seinem Verderben, denWaffenstillstand von Poischwitz, in dem Augenblicke, wo die rassischenGenerale auf dem Punkt standen, die Preußen ihrem Schicksale zuüberlassen, um Wetter rückwärts, an der Weichsel, wie sie thörichtgenug wähnten, außer Berührung mit dem Feinde, ihre Armee wie-der herzustellen — und nun folgte auf eine Periode eifriger Rüstun-gen und seltsamer Unterhandlungen, mit denen es Niemandem Ernstwar, als dem Wiener Cabinet, die Zeit gewaltiger Kämpfe, in dieauch Oesterreich thätig eingriff, — der großartige Herbstseldzug von1813, dem kaum irgend ein anderer gleich zu stellen ist.

Die Geschichte dieses Zeitraumes hat zwar noch immer einzelneLücken, über die wichtigsten Fragen aber hat die neueste Literaturhinreichendes Licht verbreitet, so daß jetzt die Bedingungen des Kam-pfes sowohl als die Elemente, aus denen der ruhmreiche Erfolg her-vorging, im Ganzen und Großen hinreichend aufgeklärt sind.

Ueber drei Punkte vor Allem haben uns diese neueren geschicht-lichen Werke in abschließender Weise belehrt, nämlich über den In-halt der Fricdensvorschläge, die Oesterreich vertreten wollte, über dieStreitkräfte, welche beide Parteien in das Feld brachten, und über dieEntstehung des bekannten Trachenberger Operationsplanes. Es be-darf der Bemerkung nicht, wie wichtig die Verhältnisse sind, derenGeschichte wir somit als vollendet betrachten dürfen.

Die Friedensbedingungen, die Oesterreich vorschlug und für diees einstehen wollte — ursprünglich auch gegen Preußen und Ruß-land, wenn sie von Napoleon angenommen, von diesen Mächten aberabgelehnt wurden — beschränkten sich aus ein ungemein bescheidenesMaß von Forderungen. In dem zu Reichenbach geschlossenen Ver-trag, durch den zuerst Oesterreich bestimmte Verpflichtungen gegendie Verbündeten übernahm, machte sich das Wiener Cabinet an-heischig, von Napoleon die 1809 abgetretenen illyrischen Provinzenund Trieft für sich selbst, das Herzogthum Warschau für Rußland,Preußen und Oesterreich zusammen zu fordern — weiter nichts!

Preußen, nur durch Danzig und ein Stück von Polen in nicht .wünschenswerther Weise nach einem Maßstab vergrößert, der es nichteinmal zu einer Macht zweiten Ranges gemacht hätte, sollte nachdiesen Vorschlägen nur bis an die Elbe reichen, und selbst Magde-burg nicht wiedererhalten! — Nur die unmittelbare Herrschaft über