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Die Befreiungskriege 1812—14.
Oesterreich sich damals noch compromittiren wollte, fand Toll doch inmündlichen Verhandlungen mit dem österreichischen Feldherrn undseinem Ches des Generalstabs (Schwarzenberg und Radetzky) eine be-reitwillige Aufnahme der Pläne, die er vorlegte. Später wurden ver- 'traute österreichische Offiziere in das Hauptquartier der Verbündetengesendet, wo neben Toll und Diebitsch besonders General Knesebeck,der militairische Vertraute des Königs von Preußen, bedeutenden An-theil an den Verhandlungen nahm; die „Geschichte der Nordarmee"vom preußischen Generalstab ausgearbeitet, eine vortreffliche Mono-graphie, belehrt uns darüber, in welchem Geist.
Man einigte sich dahin, aus den gesammten Streitkräften dreiArmeen zu bilden: eine österreichische, durch 25,000 Russen verstärkt,in Böhmen — eine russisch-preußische, nach den ersten Entwürfen diestärkste, in Schlesien — eine schwedisch-russisch-preußische unter Ber-nadotte in den Brandenburger Marken. Nach Toll's Entwürfen soll-ten alle drei Heere die Offensive ergreifen; dasjenige, gegen welchesNapoleon sich mit seiner Hauptmacht wendete, sollte Stand halten,bis die beiden andern in Flanke und Rücken des Feindes zu seinemEntsatz vorgedrungen seien.
Knesebeck war mit dieser Combination unzufrieden; ihm zufolgemußten in Schlesien nur die Festungsbesatzuugen und preußischenLandwehrbataillone zurückgelassen, die gesammte russisch-preußischeArmee aber in Böhmen mit der österreichischen Hauptarmee vereinigtwerden, und zwar weil er fest überzeugt war, daß Napoleon den Feld-zug mit einem entscheidenden Angriff auf Oesterreich beginnen werde;entweder von Dresden aus nach Böhmen, oder von Würzburg ausauf Wien. Napoleon werde das thun, um in seine natürliche Ope-rationslinie zu kommen; die liege an der Donau, denn die (strom-aufwärts über die Quellen hinaus) verlängerte Linie der Donau treffegerade in das Centrum der französischen Macht.
Knesebeck gehörte zu den strategischen Rathsherren der Zeit, dieam allerwenigsten dazu geschaffen waren, Napoleon's Pläne zu durch-schauen. Napoleon sagte: „im Kriege entscheiden die moralischen Ein-drücke!" — Knesebeck raisonnirt, schließt und folgert stets, als ob er !von dem Dasein dieser Elemente des Erfolgs gar keine Ahnung habe.Sein Geist ist ausschließlich mit Operationslinien, strategischen Punk-ten und örtlichen Verhältnissen beschäftigt. So fällt ihm auch jetzt :