252 Der Fcldzug 1812 in Rußland noch einmal.
Ferner lag dieser höhere Operationsplan — nach Herrn v. Snütt
— ün Volksbewußtsein!
„Das Volksbewußtsein, der allgemeine Jnstinct sagten, theils aushistorische Gründe, theils aus die bekannte Natur des Landes sichstützend: die schlimme Jahreszeit, die weiten Entfernungenund im Bunde mit ihnen der Hunger, das sind unsere Bundesge-nossen, und ihnen gemäß muß man den Krieg führen: also ihn rechtlange hinausziehen bis zum Winter, weit zurückweichen und das Landvor dem Feinde verwüsten, wie unsere Vorfahren es vor den Tata-ren und Schweden gethan haben; und je weiter der Feind vorgerücktist, desto eher wird er dem Hunger und allem Elend verfallen, welchesihn begleitet."
Wenn man es sonst nicht besser wüßte, — nach dieser Stellekönnte man wahrhaftig glauben, daß alles Besondere der Ereignissedes Jahres 1812 dem Herrn v. Smitt durchaus unbekannt gebliebensei. Hat er wirklich ganz vergessen, daß das Volksbewußtsein im Ge-gentheil die Macht Rußlands derjenigen des Feindes vollkommen ge-wachsen glaubte und die Fremdlinge sofort mit blutigen Köpfen nachHause geschickt zu sehen erwartete? —Daß selbst im Rath des Kaisersdie meisten Stimmen den Rückzug auch nur bis Drissa mißbilligtenund die Entscheidung sofort aus die Spitze des Schwertes gestelltwissen wollten? — Daß ganz Rußland den Rückzug vom allererstenAugenblick an mit Unwillen und dem entschiedensten Mißtrauen sah?
— Schrie denn nicht ganz Rußland gerade des Rückzugs wegen überVerrath? — Nur ein Verräther konnte nach der allgemein herrschen-den Meinung den Feind in das Innere des Reichs eindringen lassen,
— und das „Volksbewußtsein" sprach sich mit so leidenschaftlicherEntrüstung gegen den Rückzug und seine vermeintlichen Urheber aus,daß der Kaiser Alexander sich dadurch gezwungen sah, sehr gegenseinen Willen dem General Barclay den Oberbefehl zu nehmen. Nie-mand weiß das besser als Herr v. Smitt; wie konnte er es hier sovollständig vergessen?
Ferner ruhte dieser allgemeine Operationsplan — nach Herrnv. Smitt — „im Hintergründe der Seele Barclay's" — wenn auchohne an das Licht zu treten.
Zu dem Interessantesten, was Herr v. Smitt uns mittheilt, ge-hört nun aber gerade so vieles bisher Unbekannte über die Entwürfe,