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Leibeiqcnschlift und Freilassung der Bauer» in Rußland.
rungen nicht zu gedenken, die ihm die Politik eines Nachbarstaatsbereitete, sah er sich aus das Bitterste enttäuscht in Beziehung ausdie wirkliche Macht seines Reichs und den inneren Werth seinesHeeres. Rußland hatte seine Gesammtmacht aufgeboten, um seinekostbarste Festung vor einem nicht allzu zahlreichen Feinde zu retten,und vermochte es nicht; nach kurzem Kampf ließ sich schon berechnen,daß die Hülfsquellen Rußlands bald gänzlich erschöpft sein würden;man sah bereits den Augenblick nah und näher heranrücken, wo dasLand die Anstrengungen, die fort und fort gefordert werden mußten,nicht mehr werde leisten können. Und die Armee, an deren Spitze'der Kaiser geglaubt hatte die Welt herausfordern zu können, ver-mochte sich mit keinem ihrer Gegner zu messen. Selbst nicht mitden gering geachteten Türken. Der Kaiser Nicolaus mußte sichgestehen, daß Alles, was den Stolz seines Lebens ausmachte, einWahn gewesen war, ein wesenloser Traum!
Personen, die dem russischen Hofe nahe stehen, behaupten — wirwissen nicht mit wieviel Grund — auf seinem Sterbebette habe derKaiser Nicolaus seinem Sohn und Erben die Aushebung der Leib-eigenschaft zur unerläßlichen Pflicht gemacht. Es wäre das ein Be-weis, daß ihm der Gang des Kriegs vollkommen klar gemacht hatte,wie unmöglich es sei, mit dem bisherigen System irgend weiter zukommen in Rußland, und die Wendung seiner Ansichten zu entschie-dener Bestimmtheit wäre dadurch beurkundet, daß er dem Sohn un-bedingt zur Pflicht machte, was er selbst nie durchgreifend zu wollengewagt hatte.
Freilich war die Lösung der schwierigen Aufgabe durch die neue-sten Erfahrungen Rußlands wenigstens in Einer Beziehung erleichtertworden: — man durste hoffen, daß derjenige Stand, der allein inBetracht kommen konnte, nicht mehr jeden Gedanken an eine Umge-staltung der bäuerlichen Verhältnisse ganz allgemein und leidenschaft-lich als einen Frevel zurückweisen würde; denn das durchaus uner-wartete Ergebniß der Kämpfe an der Donau und in der Krimmhatte plötzlich auch ganz Rußland enttäuscht und ernüchtert.
Man erinnere sich nur, mit welcher überschwenglichen Begeisterungman dort in diesen Krieg eintrat; wie laut und hochtönend dem ge-summten übrigen Europa angekündigt wurde, der Nationalsinn einesgroßen und jugendlich kräftigen Volks, eines Reichs von riesenhafter