Z90 Leibeigenschaft und Freilassung der Bauern in Rußland.
mehrt: — in solchem Maaße, daß der Stand der Geldverhältnisseschon gefährdet war, und in Folge dessen alle Operationen des Han-dels unsicher und bedenklich zu werden begannen. Ueberdies waren,wie wir noch beiläufig bemerken müssen, die südlichen Provinzen desReichs, obgleich nur mittelbar von dem Kämpfe berührt, aus Jahrehinaus zu Grunde gerichtet. Sie hatten ihr sämmtliches Zugviehbei den immerwährenden Transporten verloren. Die Thiere warengefallen. Außerdem sahen sich die Bauerschaften verarmt, weil imDrang der Umstände ihre Felder meist unbestellt geblieben waren.Im Ganzen erwiesen sich die Wunden, die der kurze Krieg demReiche geschlagen hatte, so fühlbar, daß die Steuern seit dem herge-stellten Frieden ungefähr zwanzig Millionen Rubel Silber jährlichweniger einbringen, als vor dem Ausbruch des Krieges.
Woher dieser gewaltige Unterschied zu Rußlands Nachtheil? —Die Erscheinung erklärt sich dadurch, daß Rußlands Nationaleinkom-men, das jährliche Ergebniß der Gesammtarbeit der ganzen Nation,trotz so vieler günstigen Umstände, ein ganz ungemein geringes ist.Und dies wieder rührt zum Theil unstreitig daher, daß der Leib-eigene, der gezwungene Frohnarbeiter, wie die Erfahrung überallgelehrt hat, wenig arbeitet und schlecht.
Die Erscheinung, wie sie im Ganzen dasteht, findet sich natür-lich auch in jedem Einzelnen wieder, und wird bestätigt durch jedesEinzelne, das man erforscht. So wird z. B. jedes Rittergut im nörd-lichen Rußland eigentlich mit Verlust bewirthschaftet. Das heißt:der jährliche Ertrag eines solchen Guts kommt dem Geldwerth derArbeit, die aus seine Bestellung verwendet wird, bei Weitem nichtgleich, wenn diese Arbeit zu dem an Ort und Stelle landüblichenPreis bezahlt werden müßte. Von Zinsen des Betriebscapitals überden Preis der Arbeit hinaus, oder vollends von einer Grundrente,ist natürlich gar nicht die Rede. Der Verfasser dieser Blätter ist indem Fall gewesen, das Gutsbesitzern in Rußland zu ihrem großenErstaunen vorzurechnen: diese Art das ganze Verhältniß aufzufassenwar ihnen neu; über das Ergebniß waren sie sehr verwundert; aberes lag so klar vor ihnen, daß nichts dagegen einzuwenden blieb.
Und dennoch fühlt der Bauer die Leistungen drückend genug, diedem Grundherrn so blutwenig eintragen. Welch' eine ungeheuereMasse von Werthen geht hier jedes Jahr vollständig verloren!