veibeigenschaft und Freilassung der Bauern in Rußland. Z07
Art von oberflächlichem Bedauern zu sprechen, bei dem man sich nichtsBestimmtes zu denken brauchte: — daß diese Zustände im Grundeganz vortrefflich seien und die Keime der schönsten Zukunft in sichtrugen; daß man seit Jahrhunderten, naturwüchsig, ganz ohne An-strengung, wie geschenkt oder gefunden, Institutionen besitze, die daszerrüttete westliche Europa in krankhaften Zuckungen vergeblich er-strebte. Den reichen Herren, die, in den Petersburger Salons erzo-gen, ihre weitläustigen Besitzungen kaum je gesehen hatten, war dassofort ungemein plausibel, da ihnen bei dem gänzlichen Mangel anwirklichen Kenntnissen und echter Erfahrung, alle Elemente zu einemsachlichen Urtheil fehlten. Man wendete sich um so williger dieserLehre zu, da alle unbequemen Znmuthungen, Opfer, Anstrengungenund dergleichen beseitigt schienen, sowie sie Geltung fand.
Die jugendlich strebenden Panslawisten fanden ebenfalls das neueLicht, das durch Haxthausen's Schrift über Rußland verbreitetwurde, sehr erfreulich. Es war ein schöner, stolzer Gedanke, daß esdie Aufgabe der ganzen civilisirten Welt sei, sich dem Slawenthmnzu assimiliren, das Ergebniß der ganzen bisherigen Weltgeschichte alskrankhaft zu beseitigen, und auf den gesunden Grundlagen, die sichin den slawisch-nationalen Institutionen vorfanden, den Neubau derGesellschaft zu beginnen. Slawische Weltherrschaft, wenigstens slavischeHegemonie mußte, so schien es, dadurch herbeigeführt werden.
So war denn allgemein in Rußland von Haxthausen's erfreu-lichen Entdeckungen mit einer Art von Begeisterung die Rede, unddie selffamen Ansichten, in die man sich damals hineinbegeistert hat,sind lange nicht verschollen. Wie sollten sie auch? Was damals einkritisches, eigentliches Urtheil unmöglich machte, ist auch heute nichtausgeglichen, und heute wie damals bewegt sich die Argumentationim Unsicheren. Es ist daher eine gewisse Vorliebe für den Kommu-nismus geblieben, den man seltsamer Weise für identisch hält mitder rusischen Gemeindeverfassung; man denkt wenig daran, ihm einEnde ;u machen, und wäre wohl eher geneigt, ihn durch bestimmteVerordnungen zu schützen und ausrecht zu erhalten.
Die wenigen Erfahrungen, die in den neuerworbenen,dem Reich später angefügten, Provinzen bereits gemachtworden sind, bieten dann auch nur sehr wenig, was auf die Ver-hältnise des alten Stammlandes anwendbar wäre. Theils erlaubt
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