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Erster Band.
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316 Leibeigenschaft und Freilassung der Bauern in Rußland,

nur dafür liegt, daß wirklich verbesserte ökonomische Zustände desLandes aus ihnen hervorgehen könnten?

Die Regierung, die leitenden Staatsmänner Rußlands, derenStandpunkt ein anderer ist als der unsrige, theilen natürlich dieseZweifel und Bedenken nicht. Auch sie erkennen zwar, daß diese Ver-fügungen allein nicht genügen und hegen gewisse Besorgnisse, sehenunerwünschte Möglichkeiten voraus, denen durch weitere Anordnungenvorgebaut werden soll: — aber ihre Besorgnisse nehmen eine ganzandere Richtung als unsere Bedenken, und da sie sich die bedenklichenErscheinungen des russischen Volkslebens anders erklären als wir,die möglichen Gefahren der Zukunft da zu sehen glauben, wo wir sienicht suchen würden, greifen sie auch, diese Gefahren fern zu halten,zu Mitteln, die wir nicht anrathen könnten. Sie verirren sich aufdiese Weise immer weiter in Maaßregeln, die als gefährliche erschei-nen, insofern sie nicht ohnmächtige sind.

So weiß man im Allgemeinen wohl, daß der russische Bauerden Ackerbau nicht liebt und ihn sehr gern aufgiebt, um einem an-deren Gewerbe nachzugehen, aber man ist, wie sich nach allem bereitsErwähnten von selbst versteht, weit entfernt, sich einzugestehen, daß diebisherigen Zustände gar wenig geeignet sind, in dem Volk die Liebezum Ackerbau, zu einer vorn Vater auf den Sohn vererbten, durchdie Arbeit der Voreltern befruchteten Scholle zu erwecken, den Land-mann zum Muth und zur Ausdauer in seinem ehrwürdigen Berufzu spornen. Man sucht den Grund der Erscheinung etwas zu aus-schließlich in dem arbeitsscheuen, fahrlässigen Nationalcharakter desSlawen. Der herrschenden Ansicht gemäß geht die Regierung selbstin ihren Verfügungen von der Voraussetzung aus, daß der russischeBauer unter dem Einfluß der beabsichtigten neuen Einrichtungen nichtmehr Stätigkeit und Ausdauer im Landbau, nicht mehr Anhänglich-keit an seine Scholle zeigen werde, als bisher. Aber da sie denGrund dieser vorausgeahnten Erscheinung nicht in der Natur derneuen Verhältnisse sucht, sondern lediglich im Charakter des Volks,sind auch die Mittel, die sie vorsorglich dagegen anwenden will, nichtgegen den Grund des Uebels gerichtet, sondern nur gegen die Per-sönlichkeit des Bauern.

Von vielen Seiten her ist in Rußland gegen die Freilassungder Bauern eingewendet worden, persönlich frei erklärt würden die