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Leibeigenschaft und Freilassung der Bauern in Rußland.
Man ist versucht zu sagen: sollte überhaupt etwas Namhaftesund wahrhaft Förderndes geschehen, so mußte die Regierung einvolles, unbedingtes Vertrauen in sich selbst haben und indie eigene selbstständige Macht. Da die Eine der beiden be-theiligten Parteien nun einmal nicht gefragt werden konnte, mußteauch die Andere nicht gefragt werden; die Regierung mußte denMuth haben, einfach zu befehlen was geschehen soll; sie hat dasRecht dazu, das Recht die gesellschaftlichen Zustände zu modificiren,die — wenigstens der Form nach — lediglich eine Schöpfung ihrerWillkür sind. Allerdings müßte dabei vorausgesetzt werden, daßman genau und mit aller Bestimmtheit wußte, was eigentlich wer-den sollte.
Einen Punkt der kaiserlichen Vorschläge werden übrigens dieProvinzial-Comitös doch wohl, trotz des übelsten Willens, mit einemgewissen Eifer bearbeiten; es ist derjenige, der verfügt, daß die Ent-würfe der Comites auch „die unumgänglich nothwendigen Maaß-nahmen" feststellen müssen: „zur Kräftigung der Bauern im Glaubenund in der Sittlichkeit, zur Verbreitung der Elementarkenntnisse undder nützlichen Gewerbe unter ihnen, zur Pflege der Altersschwachenund Arbeitsunfähigen, zur Unterstützung der Kranken n. s. w." DieEntscheidung wird ohne Zweifel dahin ausfallen, daß alle Lasten fürsolche gemeinnützige Zwecke innerhalb der Gemeinde, eben von derDorfgemeinde selbst ausschließlich zu tragen sind.
Ueberhaupt aber ist nach der Wendung, welche die Sache ge-nommen hat, nur allzusehr zu befürchten, daß die Grundherren, unterdem Vorwande die Bauern zu emancipiren, lediglich sich selbst vonden wenigen Verpflichtungen gegen die Bauern freisprechen werden,welche ihnen das Herkommen bisher auferlegte — freilich ohne daßsie darum immer erfüllt worden wären; — daß sie im Uebrigen da-gegen nur nominale Veränderungen einführen und im Wesentlichenden gegenwärtigen Zustand erhalten und in wohlklingendenWorten bestätigen lassen werden, als sei er ein beglückendneuer. Das wird man Freiheit nennen.
Ist dies das Ergebniß, dann wird das neue Wesen dauern —so lange es kann; und die Folgen herbeiführen — die es herbeiführenmuß und die wohl ein Jeder leicht vorhersieht.