364
Das russische Heer im Frühjahr 1854.
Regimenter, die in solchen Quartieren stehen, benutzen die Umstände,um für schlimmere Zeiten, die da kommen können, für die Zeiten desCasernen-Lebens, etwas reichlichere Massen anzusammeln. Auchwäre die in den Casernen übliche gemeinschaftliche Verpflegung untersolchen Bedingungen kaum durchzuführen, eben weil die Leute einzelnin die Bauernhöfe vertheilt sind. — Hier erhält demnach der Mannaußer dem Mehl zu Brot nichts als seine 7'/, Pfund Grütze mo-natlich ; diese überläßt er dem Bauern, und dafür ißt er dessen Suppemit. Einen weiteren Ersatz hat der Bauer dafür, daß er zur Er-nährung des Soldaten sehr wesentlich beiträgt, nicht zu gewärtigen,als insofern sein militairischer Gast ihm gelegentlich bei der Arbeitetwas hilft. Da Dienst und Exerzieren bei den in solcher Weise zer-streuten Regimentern nicht mit demselben energischen Eifer betriebenwerden kann, wie bei den enger vereinigten Bataillonen, findet sichwohl die Zeit dazu. Gutmüthig, wie er im Allgemeinen ist, läßtder Soldat sich dazu auch willig finden; doch bewegt sich der Beistand,den er leistet, innerhalb ziemlich eng gezogener Grenzen; Axt undSense wagt der Soldat nicht leicht zur Hand zu nehmen; es ist ihmstreng verboten, und er weiß, daß er streng bestraft wird, wenn ersich etwa zufällig mit einem solchen schneidenden Werkzeug verletzt.
Unglücklich trifft es sich für den Soldaten, daß'er nur seltenund ausnahmsweise in die besseren, wohlhabenderen Provinzen desReichs aus solche Weise in Quartiere kommt. Im Innern desReichs stehen außer den Garden eigentlich nur das Grenadier-Corpsund im Süden eine Anzahl Reiter-Regimenter in den ehemaligenMilitair-Colonien — die noch immer sehr uneigentlich als solche be-zeichnet werden, dann eine Infanterie-Division in der alten Haupt-stadt des Reichs, in Moskau. Im Uebrigen führt das Verlangenentscheidend in die Angelegenheiten des westlichen Europa einzugreifen,schon seit einer langen Reihe von Jahren, man kann sagen seit demRegierungs-Antritt des Kaisers Paul, nothwendig darauf, wenigstensden größten Theil des Heers in nicht allzu großer Entfernung vonder westlichen und südwestlichen Grenze des Reichs unterzubringen.Die Provinzen, in welche demnach die Armee vorzugsweise verlegtwird, leiden nun aber zum großen Theil, wie namentlich das nörd-liche Litthauen und Weißrußland, an einer besonderen Ungunst derVerhältnisse. Sie sind nicht gerade unfruchtbar zu nennen; theilweise