Das russische Heer im Frühjahr 1854.
381
fördern, derjenigen, die im thätigen Leben eine unmittelbare An-wendung finden — und doch auch diese wieder nicht über das eigeneBedürfniß der Regierung hinaus. Die eigentlich bildenden, huma-nistischen Studien werden geflissentlich vernachlässigt und aus dasallerdürftigste Maß zurückgeführt, namentlich das der Geschichte, undso weit überhaupt die Rede davon sein kann, auch das der Philosophie.
Der Wunsch, tüchtige, brauchbare Leute zu haben, veranlaßt dieGründung einer stets zunehmenden Anzahl von Speeialschulen, indenen man das Studium der betreffenden Fach-Wissenschaften auf einhandwerksmäßiges Lernen beschränken möchte, und stets dafür sorgt,daß es nicht über das unmittelbare Bedürfniß hinausgehe. Auch dasStudium der medicinischen Wissenschaften und selbst das des Rechtssollen in Speeialschulen auf diese handwerksmäßige Weise betriebenwerden. Diese Speeialschulen werden dann zugleich als Erziehungs-Anstalten organisirt —: wohl verstanden, nach dem Vorbild der Ca-detten-Corps, und mit der Disciplin dieser Militairschnlen. DenZöglingen dieser Anstalten werden dann im Staatsdienst bedeutendeVorrechte eingeräumt, theils um junge Leute, die man für wohl unter-richtet hält, bald in höhere Stellungen befördern zu können, besondersund vor Allem aber um die Familien-Väter zu veranlassen, ja gewisser-maßen zu zwingen, ihre Söhne diesen Anstalten anzuvertrauen, dieihnen allein ein glückliches Fortkommen in der Welt eröffnen. Aufdiese Weise hofft die Regierung Herr des Geistes der gesammtenheranwachsenden Jugend zu bleiben und jedes revolutionaire Elementfernhalten zu können — was, beiläufig bemerkt, eine arge Täuschungist. Es ist selbst ausdrücklich von maßgebender Stelle ausgesprochenworden, es sei besser, daß die Bildung der jungen Leute eine be-schränkte bleibe, als daß sie in ein unheimliches Streben über diegezogenen Schranken hinaus ausarte.
Was die Cadetten-Corps insbesondere betrifft, so sind deren Zög-linge ja nicht bestimmt, in Masse als Mathematiker oder Ingenieureverwendet zu werden. Ihr Lebensberuf ist der „Dienst in der Fronte"— natürlich daß auf die Vorbereitung dazu die größte Sorgfalt ver-wendet wird. —
Als bevorzugter Gegenstand des regsten Interesses werden dieCadetten-Corps häufig besucht und besichtigt, die Aufmerksamkeit richtetsich aber bei den wiederholten Besuchen stets vorzugsweise — oder