zur Revolution und zur Fusion. (1856.) 91
und da er außerdem auch noch in den Stiftern wie im Heere sehrbedeutende materielle Vortheile vorweg für sich in Beschlag nahm, wirduns auch seine damalige Bescheidenheit einigermaßen zweifelhaft.
Das Pariser Parlament hatte inzwischen einen Versuch gemachtsich die verlorene Gunst der öffentlichen Meinung wieder zuzuwenden.Es hatte gleich in seiner ersten Sitzung nach den Ferien die Ver-haftungen vermöge königlicher Siegelbriefe erneut für gesetzwidrigerklärt — und im Widerspruch mit seinen früheren Beschlüssen erklärtees in Beziehung auf die Vertretung des dritten Standes die Ent-scheidung dem Ministerrath überlassen zu wollen. Zugleich aber for-derten die Herren daß die allgemeine Ständeversammlnng mit demParlament in Verbindung gesetzt werde — was ganz unerhört war.Sie forderten eigentlich, wenn sie das auch nicht ganz unumwundenauszusprechen wagten, die vierte Stimme auf dem Reichstag für dasParlament! — Durch diese ganz verfehlte Wendung wurde es nurall' zu klar, daß es dem Gerichtshof nicht blos in uneigennützigerWeise um die Wahrung eines heilig geachteten geschichtlichen Rechteszu thun sei — worin Folgerichtigkeit und Würde liegen konnte —sondern überwiegend um die Wahrung gewisser Standesvorrechteund Interessen, wenn auch aus Nebenwegen.
Die Reichsstände wurden, wie bekannt, nachdem Tags zuvor einfeierlicher Gottesdienst stattgefunden hatte, am 5. Mai 1789 eröffnet.Der König warnte in der schüchternen Eröffnungsrede, die sein eigenesWerk sein soll, vor dem all' zu großen Verlangen nach Neuerungen,ermähnte zur Einigkeit, und während ganz Frankreich eine Umgestaltungdes Gemeinwesens erwartete, sprach der Monarch den Wunsch aus,die Versammlung möge sich vorzugsweise mit der Wiederherstellungdes zerrütteten Staatshaushalts beschäftigen. — Der Großsiegel-bewahrer Barentin ließ in seiner Rede durchblicken, daß die Regierunggemeinschaftliche Berathungen der Stände und Abstimmung nachKöpfen wünsche, aber wieder ohne so etwas im Namen des Königsanzuordnen; er sagte vielmehr der Monarch überlasse den Ständenselbst die Entscheidung. Noch schwankender und in der That voll-kommen Haltungslos zeigte sich Necker in einer ermüdenden Rededie nicht weniger als drei Stunden dauerte; er war offenbar, erschreckt