und im Sinn der gemäßigten Parteien. (1858.) 203
und die Oeffentlichkeit des Staatslebens können, da, wo sie am Ortund an der Zeit sind, ganze Geschlechter zn großer Tüchtigkeit heran-bilden und Menschen von Charakter erziehen. Sie können großartigeCharaktere entwickeln, die den Aufgaben des öffentlichen Lebens ge-wachsen sind, und unter allen Bedingungen, unter den schwierigstenund drohendsten Verhältnissen, gewachsen bleiben — man sehe auf dieCharakter-Festigkeit englischer Staatsmänner. — Solche Institutionenkönnen die Energie und die Intelligenz der Nation nm den Thronsammeln; sie sind wohl geeignet, das allgemeine Interesse an denöffentlichen Verhältnissen und an dem Gesammt-Vaterland, Gemein-sinn und Patriotismus zu beleben und zu steigern, indem sie die Sachedes Staats zn der Sache Aller machen. Ein Ständewesen dagegen,das die Interessen der Regierung als eine Sache für sich auffaßt, kannauch in Beziehung auf den im Allgemeinen herrschenden Sinn undGeist nur lähmend und hemmend einwirken. Da hier für jeden zurHauptaufgabe wird, dem öffentlichen Wesen gegenüber die eigenen unddie Standes-Jnteressen sorgfältig wahrzunehmen, da solche Verhältnisseden Menschen ausdrücklich darauf anweisen, vorzugsweise ein Standes-leben zu leben, weiß man kaum zu sagen, woran sich Geist und Sinnerweitern sollten. Vaterlandsliebe und der echte Gemeinsinn, im eigent-lichen, schönen, großen Sinn des Worts — der Gemeinsinn, der überdie Standesgrenzen, über die engen, selbstsüchtigen Interessen einerOertlichkeit, einer Corporation hinausgeht — werden durch solcheInstitutionen nicht gefördert, sondern abgewiesen, und Pflegen in^ geistiger Oede und Beschränktheit zu versiegen. Weit eher können< solche Bedingungen des öffentlichen Lebens eine streng abgeschlosseneStandes-Gesinnung, Vorurtheile, Dünkel und Standes-Selbstsuchthervorrufen und großziehen.
Die Beispiele, daß Staat und Vaterland preisgegeben wordensind, um Standes-Jnteressen zu retten, sind wahrlich nicht selten inder Geschichte; es erinnert sich ihrer wohl ein jeder. In Preußenhaben solche ständische Institutionen anderthalb oder zwei Jahrhun-derte lang durchaus keine Bedeutung gehabt, sie waren verschollen;das gegenwärtige Geschlecht ist in einer Zeit, die mit ganz anderenForderungen hervortrat, in ganz anderen Verhältnissen, unter ganz^ anderen Eindrücken aufgewachsen — man hätte glauben können, daßk hier kein Boden mehr sei, für den Geist, der in einem mittelalterlichen