Band 
Zweiter Band.
Seite
241
JPEG-Download
 

Fninkvcich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859)

241

leon III- mit kühner Hand das Netz zerreißen, das ihn auf einenungenügenden Kriegsschauplatz beschränkte, wollte er rücksichtslos überdie conventionellen Grenzen hinaus in das Innere der österreichischenStaaten vordringen, um dort eine wirkliche, abschließende Ent-scheidung zu suchen: — so ries ein solcher Entschluß unvermeidlicheine kaum zu berechnende Erweiterung des Krieges hervor und un-absehbare Verwickelungen. Der Kamps gewann eine Ausdehnung,die alle kriegerischen Unternehmungen in Italien zu einer Neben-sache Herabsinken ließ, und die Entscheidung an den Rhein nachFrankreich oder Deutschland verlegte. Selbst was inzwischen inItalien gewonnen sein mochte, behielt nur einen bedingten Werth, dadie bleibende Behauptung dieser Vortheile, wie das Schicksal desKrieges überhaupt, von der Entscheidung des Kampfes am Rheinabhängig wurde.

Das waren Betrachtungen, die wohl den Entschluß wankendmachen konnten. Aber es war noch weit mehr zu erwägen. Napo-leon III. konnte nicht die Sache der Italiener ernstlich fördern, ohneeinem ihm und seinem System feindlichen Princip neue Kräfte zu-zuführen, dem freieren politischen Leben der Völker und den Formen,in denen es sich bewegt, einen größeren Raum in Europa zu ver-schaffen; und da in dieser Welt nichts ist, ohne auch über die un-mittelbaren Grenzen des eigenen Daseins hinaus zu wirken, warNapoleon wohl in der Lage, die mögliche Rückwirkung solcher neuenErscheinungen im europäischen Völkerleben auch auf Frankreich ernst-lich zu fürchten.

Und dann — welch' ein Widerspruch, wenn Napoleon III. indie Schranken trat, um eine bessere Zukunft, eine WiedergeburtItaliens zu erkämpfen, wie er laut ankündigte, und zugleich versprach,die schlechteste und verderbteste, die unmöglichste aller Regierungender Halbinsel — die päpstliche, zu schonen und aufrecht zu erhalten!Es war eine allerdings auszuwerfende Frage, ob das möglich seinwerde, ob nicht durch den Gang der Ereignisse, oder ohne seinenWillen, unbequeme Geister entfesselt wurden, die Jeder kannte. Solltedann Napoleon III. diese ihm doch der unmittelbaren Richtungnach verbündeten Mächte selbst bekämpfen? — Oder ließ er sie ge-währen, — wohl, so verwickelte er sich in einen neuen, für ihn vielschlimmeren Widerspruch, indem er das Priesterthum, das ihm doch

v. Bern-harVi, venn. Schriften. II. ^0