2-12 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1869.)
daheim die widerstrebenden, heranwachsenden Generationen zu beque-men, unterwürfigen Unterthanen erziehen sollte, in seinem souveränenMittelpunkt angriff und damit in seilten Grundfesten erschütterte.
So war denn der Heereszug nach Italien von Anfang an einUnternehmen, das kein reines Ergebniß versprach, dagegen sehr leichtzu den unberechenbarsten Verwickelungen führen konnte. Um sobedenklicher, da der Sieg für Napoleon eine gebieterische Noth-wendigkeit war. Ein unglücklicher Gang des unpopulären Krieges,besonders wenn er einen siegreichen Feind nach Frankreich führte,konnte unmittelbar das Dasein des Kaiserthrons gefährden.
III.
Werfen wir sofort weiter einen flüchtigen Blick auf die Macht,die Napoleon aufbieten konnte, um sie dann später mit den Mittelnund Hülssquellen Oesterreichs zu vergleichen.
Das Land, der Stand des Nationalreichthums und die Be-völkerung sind die Grundelemente der Macht, die wir beachten müssengleich der bewaffneten Macht, die aus ihnen hervorgeht —: so, natür-lich, daß wir auch nicht entfernt daran denken können, innerhalb deruns hier gezogenen Grenzen auf mehr als eine skizzenhafte Andeutungeinzugehen, oder diese Blätter durch die Wiederholung allbekannterZahlen zu beschweren.
Frankreich ist reich, und bietet in seiner compacten Massealle Mittel einer furchtbaren Macht!
Zwar ist das Land nicht so reich, als es sein könnte, wenn einezu stetiger, besonnener, ausdauernder Arbeitsamkeit geneigte Be-völkerung alle Keime möglichen Reichthums in das Leben riefe,welche die Natur hier in den Boden gelegt hat. Das geschieht nicht;der celtische Grundcharakter der Bevölkerung macht sich mehr oderweniger in allen Provinzen geltend, und überall, wo sie aus demgedankenlosen Betrieb einer herkömmlichen Bestellung des Bodensaufgerüttelt wird, tritt seltener eine intelligente Emsigkeit an dieStelle, als ein ungeduldiges Streben nach schneller Bereicherung undunmittelbarem Genuß.
Am greifbarsten zeigt sich diese Unzulänglichkeit des National-Charakters in Algerien. Welche Zukunft verspräche diese reiche und