Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) 245
nutzt verloren, denn es wird mit dem reichen Einkommen des Staatesnichts weniger als weise oder sparsam hausgehalten; ja, die sittlichenund gesellschaftlichen Zustände des Landes machen eine gewissenhafteVerwaltung des Staatsvermögens geradezu unmöglich, denn es fehlt— das Gewissen. Zu den Dingen, die in Frankreich gar seltsamauffallen, gehört, daß bei einem Jahresbudget, das sich in so ge-waltigen Zahlen ergeht, doch Alles, was von der Regierung besoldetwird, nach einem sehr ärmlichen Maaßstab nur einen geradezu kümmer-lichen Lohn erhält. Selbst die Armee. Das Gehalt der Offiziere be-trägt, in einem Lande, wo das Leben theurer ist als in Deutschland,die Anforderungen des Luxus höher steigen, buchstäblich kaum dieHälfte dessen, was ihnen in Preußen gewährt ist. Und nach dem-selben Maaßstab werden alle anderen Stände, Richter, Beamte undLehrer dürftig abgefunden. — Wo bleibt denn das viele Geld? mußman verwundert fragen. Die Vielregiererei, die kaum zu übersehendeBeamtenmasse erklärt die Erscheinung bei Weitem nicht. Aber sowieman sieht, welche kaum glaubliche Summen der Regierung jede Liefe-rung, jeder Ankauf, jeder Bau, jede Miethe, jedes Unternehmen kostet,mit welcher Unredlichkeit dabei Alles zu Werke geht; wie vortrefflichLieferanten, Unternehmer, Intendantur-Beamte, Civil-Jngenieure unddergleichen gedeihen —: da ist sofort einem Jeden das Räthsel gelöst.Welch' einen Abgrund von Corrnption hat so mancher Prozeß schonzur Zeit Ludwig Philipps dem erstaunten Auge ausgethan! —Aber ,41 n'v n gus las inaluäroits äs pris!" Von dem kolossalenUnterschleis bei der Versorgung der Armee in der Krim wird eigentlichnie mit Entrüstung gesprochen, sondern fast immer und überall mitein wenig Ironie und vielem Behagen, als sei von einem etwas ge-wagten, aber an sich doch sehr ergötzlichen Spaß die Rede. Wie vielund wie dreist gewagt wird, sollte man kaum glauben. So gehörtes namentlich zu den gewiß sehr auffallenden Erscheinungen, daß inFrankreich öffentliche Vorratshäuser mit allen Vorräthen so garhäufig verbrennen, ohne daß gerade immer der Blitz eingeschlagenhätte! — Eine solche Fenersbrunst macht freilich jedesmal einen sehrbündigen Abschluß der Rechnungen! Daß die Vorräthe wirklich voll-ständig da waren, wie sie in den Büchern stehen, kann nachher nichtwohl Jemand mehr bestreiten! —
Was den zweiten Hauptfactor der Nationalmacht, den ersten der