258 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien, (1859.)
schlagfertig im Innern des Reichs zur Verfügung standen. Dazukonnten dann im Lauf einiger Monate noch 100 vierte Bataillonekommen und die fünften und sechsten Schwadronen der Reiter-Regimenter, die aber aus Mangel an Pferden wahrscheinlich sehrschwach blieben.
Von dem Osficiercorps, wie dasselbe zu zwei Dritteln aus Zög-lingen der Militärschulen, zu einem Drittel aus Leuten, die von derPike an dienen und natürlich zum Theil den unteren Ständen ange-hören, ergänzt und dadurch zu einem Stande wird, der an dieCondotieri und Söldner des späteren Mittelalters erinnert, habenwir bereits gesprochen.')
Wurden dann endlich alle einzelnen Züge des Bildes zusammen-gefaßt, so ergab sich als Endergebniß der erwägenden Betrachtungfür den Unbefangenen schon vor dem diesjährigen Feldzug in Italiendie Ueberzeugung, daß die französische Armee der österreichi-schen an kriegerischem Werth um etwas überlegen sei, unddie größere Wahrscheinlichkeit des Sieges für sich habe.
Schon die taktische Zusammenstellung der Heereskörper schien inmancher Beziehung besser; schon das französische Bataillon von 8 Com-pagnien und eben so viel Zügen ist beweglicher, als das etwas schwer-fällige österreichische Bataillon mit seinen 6 Compagnien und 24 Zügen.Besonders aber ist überhaupt mehr Leben, mehr strebender Sinn inder französischen Armee — wie wir denn einen Hauptfactor ihrerUeberlegenheit in der unstreitig mehr ausgebildeten militärischen In-telligenz des französischen Osficiercorps suchen möchten. Ohne hierdarauf eingehen zu können, in wiefern diese schon in den Militär-schulen vorbereitet sein mag, dürfen wir nur daran erinnern, welch'eine vortreffliche Schule für die jüngeren Officiere der kleine Kriegin Afrika ist; wir fügen hinzu: für die Subalternen ist derselbe inmanchen Beziehungen eine viel bessere, als irgend ein anderer Kriegsein könnte. Der Subaltern selbst ist da beständig daraus angewiesen,selbständig zu handeln. Und es giebt keinen Schlendrian. Man be-findet sich da stets in neuen, eigenthümlichen Lagen, in denen vondem mechanischen, gedankenlosen Befolgen eines herkömmlichen Ver-fahrens nicht die Rede sein kann; in denen selbst der Führer kleinerAbtheilungen beständig aufgefordert ist, die Mittel dem Zwecke selb-ständig anzupassen.