272 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien, (1859.)
liche Antworten auf des greisen Feldinarschalls Mahnungen und War-nungen von den höchsten Hofstellen „erfloffeu".
Am Schlagendsten und Erkennbarsten offenbarte sich die Un-fähigkeit der Verwaltung in dem Zustand der Finanzen, der trotzdes langen Friedens immer ein sehr schlimmer und bedenklicher blieb,ja in mancher Beziehung bei reicher fließenden Hülfsquellen immerschlechter wurde.
Das unübersehbare Heer der subalternen Beamten flößte dannauch noch darum wenig Achtung ein, weil man die Leute als käuflichkannte; selbst dem Richterstande wollte man in dieser Beziehung nichtganz trauen. Unter den höheren Beamten, Hofräthen und dergleichen,kannte man gar viele, welche geheime Polizei als einträgliches Neben-gewerbe trieben.
So stand es um die Moralität des regierenden Personals. Daswaren die Zustände, die Oesterreich den Freveln und der Verworfen-heit der Umsturz-Partei entgegenzuhalten hatte!
Unter diesen Umständen war es gewiß kein Wunder, daß dieRegierung nach und nach einer ziemlich allgemeinen Mißachtung ver-fiel, und trotz aller polizeilichen Anstalten und Maaßregeln wuchsenihr die Dinge nachgerade über den Kopf, Anstatt daß alle Ver-hältnisse sich während des langen Friedens hätten neu befestigen sollen,fand mau sich auf Wegen, die zu einer vollständigen Auflösung zuführen drohten. Wie weit man schon in den dreißiger Jahren ausdieser Bahn gekommen war, wie sich damals schon die Zukunft an-kündigte, darüber spricht sich ein österreichisches Aktenstück jener Zeitin merkwürdiger Weise aus.
Zwei in Oesterreich sehr bedeutende Männer, die Generale Clam-Martinitz und Langenau, hatten im Jahre 1836 eine Denkschriftüber eine verbesserte Armee-Organisation ausgearbeitet. In der Ein-leitung sagt Langenau, die österreichische Monarchie umfasse dreiverschiedenartige Elemente, denn sie bestehe aus dem constitutionellenUngarn und Siebenbürgen, aus dem eroberten Italien und Galizienund aus den übrigen Erblandcn, die als ein Ganzes zu betrachtenseien (dessen Natur der General nicht näher bezeichnet). „Nur dieaus diesen drei Hauptelementen zusammengesetzte Armee bildet heutenoch eine vollkommene Einheit", heißt es dann weiter „und bei ihrallein, ich wage es zn behaupten, kann der Kaiser mit aller Zu-