Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien, <1859,) 281
als eine reine Tafel behandeln kann, anf der es außer ihm selbstkeine bewegende Macht, und eben so wenig irgend etwas seine Wirk-samkeit Bedingendes giebt.
Aber auch diese Schöpfung ist nicht gelungen, wie die Re-gierung jetzt, nach einer langen Reihe jahrelang vergeblich wieder-holter Experimente, selbst eingestellt. Gutes hätte sich in Oesterreichwohl unter allen Bedingungen von einer solchen Organisation kaumerwarten lassen; denn welche Intelligenz, Urbanität und makelloseRedlichkeit des Beamtenstandes gehört nicht dazu, einen solchen Zu-stand bureaukratischer Vielregierung, allgemeiner und allseitiger Be-vormundung erträglich zu machen, und in zweckmäßiger Weise imGang zu erhalten? Und was für Werkzeuge stehen der Regierungzu Gebote? Keine anderen als immer wieder dieselbe Beamtenschaar,deren Unfähigkeit und Mangel an sittlicher Würde so viel dazu bei-getragen hat, das frühere System, das doch die Macht des Gewohnten,Hergebrachten für sich hatte, unhaltbar zu machen. Wir lesen in' Mittheilungen, die aus den österreichischen Regierungskreisen hervor-gehen, das Geständnis;, daß es an „geeigneten Subjecten" für dieBeamtenstellen fehlt.
^ Schon in diesen Verhältnissen lagen schwer zu besiegende Schwierig-
^ keilen; dann aber mußten die neuen Einrichtungen auch deshalb in^ der Ausführung auf den mächtigsten Widerstand stoßen, weil eben die„legitimen Interessen" in ihnen nicht alle ihre Befriedigung fanden,j Weder der alte Adel noch zumal die Geistlichkeit konnte mit einerVerwaltungsweise einverstanden sein, der zufolge eine streng centrali-sirte Bureaukratie alle Elemente des Lebens ohne Ausnahme beherr-schen wollte, ohne für irgend eine andere Macht irgendwo Raum zulassen, und wie die gesellschaftlichen Verhältnisse in Oesterreich be-l schaffen sind, konnte es weder der Aristokratie noch dem Clerus und
^ seiner Partei an den Organen fehlen, vermöge welcher Ansprüche und
^ Bedenken geltend zu machen waren.
t Die Aristokratie, die ihre alte grundherrliche Stellung daheimauf ihren Gütern nicht verschmerzen kann, hat ihre Vertretung indem neu geschaffenen Reichsrath gesunden, dessen negative Wirk-samkeit wenigstens eine sehr große geworden ist, da er die consequenteDurchführung des neuen Systems in beständigem und hartnäckigemKampf mit dem Ministerium unmöglich gemacht hat. Sein eigent-