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Zweiter Band.
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Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) 295

verstanden oder doch nicht, wie sie sollten, beachtet worden, und inFolge dessen hat auch das allgemeine Urtheil über die BeziehungenOesterreichs zu Deutschland und Preußen meist etwas Unvollständigesbehalten, ja etwas Schiefes, das nicht den entscheidenden Punkt trifft.

Man sagte sich nämlich im Rath des Kaisers zu Wien, was sichJeder sagen mußte, der die allgemeine Lage der Dinge mit unbefan-genem Blick übersah, daß nämlich die Vertheidigung in keiner Weiseein irgend genügendes Ergebniß herbeiführen konnte. Was konntees viel helfen, dem gegenwärtigen Andrang zu widerstehen, sich le-diglich der augenblicklichen. Gefahr und Verlegenheit zu entziehen,selbst wenn man keine Zugeständnisse zu machen brauchte? Daswar doch immer nur ein Palliativ, dessen Wirkung nicht sehr weitreichte. Wenn die allgemeinen Verhältnisse Europas unverändertblieben, mußte man nach wenigen Jahren eines neuen Angriffs ge-wärtig sein. Und selbst für die Zwischenzeit unsicheren Friedenswurde aller Wahrscheinlichkeit nach ein Grad der Kriegsbereitschaftnothwendig, der die Mittel des Landes weit überstieg.

Hier war kein Ausweg; man mußte zum Angriff übergehen.Damit das System, von welchem die österreichische Regierung nichtlassen wollte, in dem sie das Heil der Welt, ihrer Welt nämlich,sah, im eigenen Lande mit Sicherheit ausrecht erhalten werden könne,mußte es zum siegreichen und herrschenden in ganz Europa gemachtwerden; das Princip, das ihm feindlich gegenübersteht, mußte überallniedergeworfen und unterdrückt werden, und darauf, darauf in derThat war es abgesehen. So erhoben sich die Ansichten und PläneOesterreichs zu einer Großartigkeit und Höhe, — von der sich diesüddeutsche Begeisterung nichts träumen ließ.

Natürlich gehörte in diesen Plan auch, daß Sardinien „un-schädlich gemacht" werde. Zu diesem Ende hätte sich Oesterreich gerndie Lomelina, den schönen, fruchtbaren Landstrich zwischen dem Ticinound der Scsia, abtreten lassen. Das könnte befremden; man könntedenken, Oesterreich habe italienische Unterthanen genug, und hin-reichende Noth mit ihnen; in der That aber wurde die Schwierigkeit,diese unruhigen Unterthanen in Ordnung zu halten, durch die Er-werbung der Lomelina nicht gesteigert, sondern im Gegentheil sehrwesentlich vermindert. Dieser Landstrich ist nämlich ein in früherenVerträgen abgetretener Theil des alten Herzogthums Mailand, und