Frankreich, Oesterreich und der Krieg i» Italien, (1859,) ßOI
nicht; er sprach sich gar nicht darüber aus, was denn eigentlich derZweck des Zuges nach Frankreich sein sollte. Ueberhaupt aber stellteer alle diese Pläne nur hypothetisch hin; nach seiner Darstellungdachte Oesterreich an deren Ausführung überhaupt nur, in-sofern Preußen ihnen beistimme.
Preußen stimmte ihnen bekanntlich nicht bei, und widerrieth dasUltimatum sowie den Angriff aus Sardinien, den jenes nothwendigzur Folge haben mußte; man suchte den Erzherzog davon zu über-zeugen, daß jedes offensive Vorgehen Oesterreichs dessen politische Lageverschlimmern, und ihm namentlich England zum Feinde machen werde,und da Großbritanien sich eben zu der Zeit erbot, aus dem bevor-stehenden Congreß für Oesterreichs ungeschmälerten Länderbesitz, wennauch natürlich nicht für die Specialverträge mit den italienischenFürsten, einzustehen und jede Einmischung in dessen innere Ange-legenheiten, und damit jede Zumnthung, seinen italienischen Pro-vinzen eine selbständige italienisch-nationale Regierung zu geben, ab-zuwehren, — so schien der erlauchte Botschafter Oesterreichs wirklichüberzeugt. Er schied mit Friedensversicherungen.
Und was war der Erfolg? — Sowie man in Wien einiger-maaßen übersehen konnte, daß die Sendung nach Berlin nicht unbedingtzu dem gewüuschten Ziel führen werde, ließ man den ErzherzogAlbrecht fallen. Der Kaiser Franz Joseph wurde bestimmt, ohnejede weitere Rücksicht sein Ultimatum nach Turin zu senden und amBundestage neue Schritte in dem früheren Sinne thun zu lassen,um Preußen zum Gehorsam, zu einem Frohndienstkrieg für Oesterreichzu zwingen. Mehr als je wollte der jugendliche Kaiser an der Spitze desHeeres am Rhein, als das sichtbare Oberhaupt Deutschlands, erscheinen.
Gras Buol war gegen diesen übereilten Bruch mit Sardinien,durch den man dem Kaiser der Franzosen den größten Gefallen that.Er machte Vorstellungen; aber der Monarch war durch Stimmengewonnen, die ihm näher standen und größere Macht über ihn hatten.Wenn wir recht unterrichtet sind, kam es dahin, daß der Kaiser inetwas leidenschaftlicher Aufregung die Scheide seines Säbels gegendas Parquet stieß und sehr bestimmt Gehorsam vorschrieb. GrafBuol erwiderte, daß er allerdings gehorchen, dann aber auch sichvon den Geschäften zurückziehen müsse, und als er dann noch veran-laßt hatte, daß einem letzten Vermittelnngsversuche Englands zu Liebe