Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) Z15
Kommando nicht erhielt. Der Kaiser Franz Joseph zweifelte imApril und Mai nicht daran, daß es gelingen werde, den Schauplatzder entscheidenden Begebenheiten an den Rhein zu verlegen; er wolltepersönlich, als sichtbares Oberhaupt Deutschlands bei der Armee amRhein auftreten: — ob er schon daran dachte, auch in diesem Fallden Feldzeugmeister in seinen unmittelbaren Rath zu ziehen, scheintdennoch nicht ganz ausgemacht. Wie verlautet, gehörte auch Heßzu der gemäßigten Partei am kaiserlichen Hofe, die sich gegen denAngriff auf Sardinien ausgesprochen hatre, und das war natürlichfür die Gegenpartei, für die Grafeneoterie, ein vollwichtiger Grund,ihn vom Oberbefehl entfernt zu halten. Dann aber ist Heß Pro-testant! — Unmöglich konnte die Sache Oesterreichs, des Staats,auf welchem die Weihe des Concordats ruht, in die Hand einessolchen gelegt werden! Das mußte durchaus unpassend erscheinen,in einem Kreise, in welchem der Cardinal-Erzbischof Rauscher eineHauptstimme führte, und für dessen Oberhaupt vollends kirchlicheRücksichten stets und überall in weiblich-leidenschaftlicher Weise dieeigentlich entscheidenden sind.
Aber auch, wenn von Heß nicht die Rede sein durfte, konnte esein Gegenstand der Verwunderung sein, daß die Wahl gerade aufGyulai fiel, auf den Einzigen unter allen österreichischen Generalen,der nie in seinem Leben einem Gefecht beigewohnt hatte. Denn er^ war 1815, erst nach der Beendigung des Feldzugs, in Dienste ge-
treten und hatte in den Jahren 1848 und 1849 als Gouverneurvon Trieft keinen Antheil an den kriegerischen Begebenheiten ge-nommen. Er ist aber unbeugsam reactionären Sinnes, mit derFamilie Schwarzenberg verschwägert, mit den Stimmführern inder Grafeneoterie auf das Engste befreundet, und sein Benehmen inTrieft 1848 hatte ihm den Ruf großer Energie eingetragen. Erl hatte sich dort nämlich, als es unruhig wurde, aus eigne Hand, ohne
! Auftrag und ohne Vollmacht in Besitz einer dictatorischen Gewalt
! gesetzt, die Ruhe in der Stadt erhalten und die kaiserliche Flotte
> gerettet. Seither, während der Friedensjahre, wurde dann diese viel
! gerühmte Energie bei allen, selbst bei ganz nichtigen Gelegenheiten,
mit einem gewissen Pomp zur Schau getragen. Auch nach dem Aus-bruch des Krieges hat sie sich in hochfahrenden Proklamationen, inDrohungen, ganze Städte bei der geringsten Veranlassung zu ver-