Band 
Zweiter Band.
Seite
316
JPEG-Download
 

316 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.)

Nichten u. dergl., geräuschvoll ausgesprochen, — leider aber auch erschöpft,wie es scheint. In Thaten ist sie weniger zu Tage gekommen.

VII. ')

Am 23. April wurde Oesterreichs Ultimatum in Turin überreicht— am 26. war die Frist abgelaufen, die darin der sardinischen Re-gierung gestellt war, aber einem letzten Vermittelungsversuch Englandszu Liebe wurden noch drei Tage versäumt; erst am 20. gingen dieOesterreichs über den Ticino, und es ergab sich daraus das Eigen-thümliche, daß die zu Schutz und Hülse herbeigerufenen Franzosenden Boden des bedrohten Reichs eher betraten, als der Feind. Schonam 25. nämlich überschritten französische Truppen bei Cnloz dieGrenze von Savoyen.

Eigentlich hatte Oesterreich schon mehr versäumt als diese dreiTage. Wollte es einmal die Bahnen einer so leidenschaftlichen undso kühnen Politik einschlagen, so that es ohne Zweifel besser, dieDinge schon um einige Wochen früher auf die Spitze zu treiben undden Angriff auf Piemont zu einer Jahreszeit zu beginnen, wo dieAlpenpässe auch in ihrem jetzigen Zustand wirklich für einen Heereszugunzugänglich waren und die französische Hülfe, auf den Einen Wegüber Genua beschränkt, jedenfalls langsamer herankam. Man hattedann eine größere Wahrscheinlichkeit für sich, das Heer der Piemon-tesen mit überwältigender Uebermacht vernichtend zu treffen, ehe Hülsezur Hand war. Die Welt sollte hier von Neuem sehen, was sie schonso oft erfahren hat, daß nämlich in Augenblicken, die ein rasches undentschlossenes Handeln fordern, nichts so schlimm ist als ein zwie-spältiger Zustand, in welchem verschiedene Parteien, widersprechendeAnsichten, sich nur den gebietenden Einfluß streiten und keinen Entwurfzu reiner, unbedingter Ausführung kommen lassen. Selbst fehlerhaftangelegte Pläne, die ein gesundes Urtheil verwerfen muß, können imKrieg, wo es zuletzt aus Thaten ankömmt, zu nicht ungünstigen Er-gebnissen führen, wenn sie nur mit einmüthiger Energie durchgeführtwerden ohne Schwanken und Zagen. Das Schlimmste Pflegt sich dazu ergeben, wo die gesundere Einsicht nur Zweifel zu erwecken, nurlähmend einzugreifen vermag, ohne doch je zu voller Geltung zukommen. — Und doch sind wir fast genöthigt, im militärischen Cabinet